Sonntag, 20. April 2014

Durchbruch zum Leben



Hinter der Mitte der Nacht
leuchtet der Ausbruch des Tages.
Hinter den Totengewändern
wirft das Leben
Den Todesstein um.
Nun blüht es nicht nur
auf den Gräbern zum Trost,
sondern aus den Gräbern
blüht der Tag durch zum Leben.
Die den Toten scheinende Lebenssonne
kennt keine Grenzen.

Das kam unerwartet:
Ein Gekreuzigter
hat den Tod unterlaufen.
Ein Kreuz gegen den Tod.

 
Der blieb im Tode nicht tot,
sondern durchstieß die Felsen
zum Leben.
Und doch geschah dieser Ausbruch 
so leise,
dass selbst die geschulten Wächter
des Todes
nichts hörten, nichts sahen
und weiter im Dunkel verharrten. 
Und wenn sie denn aufwachen,
bleibt ihnen nur noch
die Leere des Grabes.
Aber denen,
die in den Höhlen der Nacht festsaßen,
trocknet der göttliche Morgenglanz
die Tränen der Nacht.






Samstag, 19. April 2014

Oster-Stundenschlag am Ende der Nacht



Der Tod hat seine eigene Zeit,
er schlägt zu 
auch am Tage der Nacht.

Der Tod nimmt den Menschen hinweg
aus der messbaren Zeit,
er kündet das Ende,
und dennoch stellt sich schon ein Signal
auf das Jenseits der Zeit.

Gewiss -
jeder Karfreitag ist Todes Zeit
durchdröhnt von den Hammerschlägen
der Nacht – 

Aber der Stundenschlag
hinter der Nacht heißt Ostern
- morgende Lebenszeit
auf dem göttlichen Zifferblatt.
weisen die Zeiger nach dort -
in die Ewigkeit – universell –



Die Nähe des Todes spüren.
Wenn ein Mensch geht
weg von uns Zeitlichen
heißt es zugleich,
er geht zu den Ewigen.

Auch im Tode ist Gott,
aber der Tod ist nicht Gott,
sondern Gott ist unter dem Tod.
Er hebt die Toten ins Leben –
in göttliches Leben –
geheimnisvoll angebrochen
an jenem Morgen,
als das Grab leer war.

Und das Leben erschien
gegen die Trauer
in neuem Licht,
im Lichte des Ewigen.

Jedes Mal wenn der Tod zuschlägt
sanft oder hart
schlägt eine neue Stunde.
Es ist bereits 
die Glocke zur Ewigkeit
Sie beginnt heute und hier –
und ruft ins Danach.

Keiner bleibt ausgenommen:
Der Auferstandene,
hat die Uhrzeiger
auf ewiges Leben gestellt.


Samstag, 12. April 2014

Palmsonntag oder die Wahrheit des Esels (nach Matthäus 21,1-9)



       Auf einem Esel einreiten,
       ist keine Eselei.
       Die Insignien der Macht umdrehen,
       ist keine Perversion.
       Nicht goldgeschmücktes Pferd,
       sondern sanftes Grautier -

       Das ist's,
       was die Spirale der Macht durchbricht.
       Das ist's,
       was Leben freisetzt,
       selbst im Schatten des Todes.

       Die da am Stadttor standen
       die da Palmzweige von den Bäumen schnitten,
       die da Blumen streuten,
       die haben wohl verstanden,
       wo die Hoffnung sitzt -
       nicht auf hohem Ross,
       sondern auf dem kleinen Esel.


                           Der Esel als Zeichen der Hoffnung:
das Oberste zu unterst,
denn Gott hat die Niedrigkeit seines Volkes gesehen,
und darum kommt er 
- von unten.

Bearbeitet - zuerst erschienen in:
Erhard Domay (Hg.): Passion. Gottesdienste, Predigten, Kreuzwegstationen. Liturgische Stücke.
Gottesdienst Praxis Serie B. Gütersloher Verlagshaus 1996, S. 152

Dienstag, 8. April 2014

Kreuzweg zum Leben - 14 Stationen vom Leiden zur Auferstehung

Versöhnung - um welchen Preis?


Von Versöhnung reden,
ist das Einfache,
Versöhnung mit Haut und Haaren riskieren,
die Ausnahme.


Aber haben Gier und Hass
nicht schon zu viele Wunden geschlagen?
Und schlagen wir nicht neue Wunden
Tag für Tag?
Wer zahlt denn in Wahrheit
den Preis der Versöhnung? 
Der Schwächere?
Der Dümmere?



Ich kenne einen,
der riskierte alles,
der riskierte sich selbst
um der Liebe willen,
der verlor sich selbst
um der Menschlichkeit willen.
Der wollte Versöhnung
um jeden Preis.
Der begrub den Hass,
während heute mehr und mehr Menschen
die Hoffnung begraben. 
Aber der zum Kreuz ging,
bezahlte mit sich - bar,
von Anfang an,
und wir haben zwischendurch
Kasse gemacht.



Muss da nicht der Preis der Versöhnung
neu kalkuliert werden - mit ihm?
Er wollte für uns die Versöhnung
wir sollten Versöhnte werden -
er gab sein Leben -
das war sein Preis.
Dieser Preis sollte nicht
umsonst gezahlt worden sein.