Donnerstag, 7. Juni 2018

Die Vision von der Gleichwertigkeit der Religionen --- Texte von der Antike bis in die Neuzeit ---


Altar religiöser Vielfalt

BHAGAVAD-GITA - 9. Gesang 
(um 300 v. Chr., 
zwei Übersetzungsvarianten )


(23) Der, welcher andern Göttern dient,
Der dient in höherm Sinn mir auch,
Wenn er es ganz von Herzen tut,
Weicht er auch ab vom richt'gen Brauch.
(24) Denn jedes Opfer gilt ja mir,
Und jedes Opfers Herr bin ich,
Doch kehren sie zur Welt zurück,
Weil sie nicht wahrhaft kennen mich.
(25) Zu Göttern geht, wer sie verehrt,
Zu Ahnen, wer sie ehret, ein,
Zu Geistern, wer den Geistern dient,
Zu mir, wer mich verehrt allein.

Neunter Gesang (V. 23-25). Rede Krishnas an Arjuna.
Bhagavadgita. Das Lied der Gottheit. Aus dem Sanskrit übersetzt von Robert Boxberger. Neu bearbeitet und herausgegeben von Helmuth von Glasenapp.
Stuttgart: Reclam TB 7874/75, 1974 u.ö., hier S. 62


(23) Auch jene, die andere Götter anbeten,
opfern doch mit gläubigem Vertrauen,
und damit ja eigentlich mir, Kunti-Sohn
obgleich sie nicht der Regel gemäß opfern.
(24) Denn ich bin ja Empfänger und Herr
aller Opfer.
Aber sie erkennen mich nicht wirklich,
deshalb straucheln sie.
(25) Die Gottergebenen gehen zu den Göttern.
Die Ahnenverehrer gehen zu den Ahnen.
Die den Geistern opfern, gehen zu den Geistern.
Die aber mir opfern gehen zu mir.

Neunter Gesang (V. 23-25). Rede Krishnas an Arjuna.
Bhagavad Gita. Der Gesang des Erhabenen. Aus dem Sanskrit übersetzt und herausgegeben von Michael von Brück. Frankfurt/M. und Leipzig: Verlag der Weltreligionen (Insel-Verlag) 2007, S. 66
Stuttgart: Reclam TB 7874/75, 1974 u.ö., hier S. 62




IBN ARABI VON MURCIA
(1165-1240)


         DIE RELIGION DER LIEBE

         Jetzt können alle Bilder und Formen
Platz in meinem Herzen finden,
denn mein Herz
wurde eine Weide für die Gazellen,
ein Kloster für die Mönche,
ein Tempel für die Götzen (aus "Götter" möglich),
eine Kaaba des Tawaf (= Umkreisung der Ka’ba),
eine Tafel der Tora
und ein Buch des Korans.
Ich gehöre der Religion der Liebe (an)
und wandele mit festen Schritten auf ihrer Karawanenstraße,
denn Liebe ist mein Bekenntnis und mein Glaube.     

Eigene Übersetzung aus: L'interprète des désirs. Paris: A. Michel 1996, S. 117f

Diesen Text hat Karl-Josef Kuschel zitiert in: Vom Streit zum Wettstreit der Religionen. Lessing und die Herausforderung des Islam. Düsseldorf: Patmos 1998, S. 292. Er hat den Text folgendermaßen wiedergegeben:
„Mein Herz ist für jede Form (des Glaubens) aufnahmefähig geworden.
Es ist daher ein Weideplatz für indische Weisheit,
Ein Kloster für christliche Mönche,
ein Tempel für Götzen,
eine Ka'ba für muslimische Pilger,
Die Gesetzestafeln der Tora
Und die Buchrolle des Koran.
Ich hänge der Religion der mystischen Liebe an.
Wohin auch immer die Kamele ihren Weg nehmen!
Dies ist meine Religion und mein Glaube!


DSCHELALEDDIN RUMI (1207–1273)
DER TEMPEL GOTTES IM HERZEN

Ghaselen XL: Pilger zur Kaaba
Die hin zur Kaaba pilgern gehn,
Wenn nun an ihrem Ziel sie stehn,
In einem Tale ohne Saat
Ein altes Haus von Stein sie sehn.
Sie gingen hin, um Gott zu schaun'n;
Und nun um's Haus im Kreis sich drehn.
Wann sie sich lange so gedreht,
So hören sie die Stimme wehn:
Was, Toren, ruft ihr an den Stein?
Wer wird vom Steine Brot erflehn?
Wenn ihr den Tempel Gottes sucht,
In eurem Herzen tragt ihr den.
Wohl dem, der bei sich selbst kehrt ein,
Statt pilgernd Wüsten durch zu gehn.


Aus: Mewlana Dschelaleddin Rumi: Das Meer des Herzens geht in tausend Wogen: Ghaselen.
Aus dem Persischen von Friedrich Rückert. Frankfurt/M.: Dagyeli 1988, S. 46

ER WAR AN EINEM ANDEREN ORT
Kreuz und Christen – Von einem Ende zum anderen.
Ich prüfte – ER war nicht am Kreuz.
Ich ging zum Hindu-Tempel, zur alten Pagode,
In keinem von ihnen war irgendein Zeichen.
Ich ging ins Hochland von Herat und nach Kandahar.
Ich sah nach.
ER war weder auf den Höhen noch im Tiefland.
Ganz entschlossen stieg ich auf den Gipfel des Kat-Berges.
Dort war nur die Wohnung des Anqa-Vogels.
Ich ging zur Kaaba nach Mekka.
ER war nicht da.
Ich fragte nach IHM bei Avicenna.
ER war jenseits der Reichweite von Avicenna.
Ich sah in mein eigenes Herz,
Dort, an diesem Ort, da sah ich IHN.
ER war an keinem anderen Ort

Aus den Ghaselen, aus einer englischen Vorlage von Reinhard Kirste übersetzt
vgl.: Gesänge des tanzenden Gottesfreundes. Aus der Dichtung des persischen Mystikers Rumi.
Mit Ornamenten von Karl Thylmann. Übertragen und geschrieben von Linde Thylmann.
Herder-Bücherei: Texte zum Nachdenken Bd. 679. Freiburg u.a.: Herder 1978, S. 33

RABINDRANATH TAGORE (1861–1941)

Wo suchst du MICH denn, mein Diener?
Schau,
ICH bin neben dir.
ICH bin nicht im Tempel, nicht in der Moschee,
nicht in der Kaaba, auch nicht am Kailash.
ICH bin nicht in den Riten und feierlichen Bräuchen,
nicht im Yoga
und in der Entsagung.
Wenn du
ein wahrer Gottsucher
bist,
dann wirst du MICH
ganz plötzlich sehen;
Du sollst MIR in einem einzigen Augenblick begegnen.
Kabir sagt: „O Sadhu! Gott ist der Atem allen Atems“.

Rabindranath Tagore: Hundert Gedichte Kabirs. Freiburg/Br. O.J.: Hyperion o.J.,
zitiert in Monika und Udo Tworuschka (Hg.): Die Seele ist wie ein Wind. Weisheit der Religionen. Zürich/Düsseldorf: Benziger 1999, S. 26.

YUNUS EMRE (ca. 1271–1321)
DER EINE, EINZIGE GOTT

Lob des einen, einzigen Gottes
Mit Bergen und mit Steinen auch
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Vögeln früh im Morgenhauch
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Fischen in des Wassers Grund,
Gazellen in der Wüste rund,
Mit "Yahu!" aus der Toren Mund
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Jesus hoch im Himmelsland,
mit Moses an des Berges Rand,
mit diesem Stab in meiner Hand
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Hiob, der vor Schmerz versteint,
mit Jakob, dessen Auge weint,
und mit Muhammad, Deinem Freund,
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Dank und Preis und Lobeswort,
mit "Gott ist Einer" höchstem Wort,
barhäuptig, barfuß, immerfort
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit lesend frommer Zungen Hallen,
mit Turteltauben, Nachtigallen,
mit denen, die Gott lieben, allen,
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!

Yunus Emre (ca. 1271-1321), türkisch-mystischer Dichter, der zum ersten Mal seine Muttersprache für seine religiöse, volkstümliche Poesie verwendete.
Zitiert aus: Annemarie Schimmel
(Hg. und übersetzt aus dem Persischen, Urdu, Sindhi, Paschto und Pandschabi):
Nimm eine Rose und nenne sie Lieder.
Poesie der islamischen Völker. Köln. Diederichs 1987, S. 313

  ANGELUS SILESIUS (Johannes Scheffler, 1624–1677)

196. Gott hat alle Nahmen und keinen
Man kann den höchsten Gott mit allen Namen nennen:
Man kann ihm wiederum nicht  einen zuerkennen.


197. Gott ist nichts und alles
Gott der ist nicht und alls ohn alle Deutelei:
Denn nenn; was das Er ist? auch was das Er nicht sei?


Angelus Silesius - der schlesische Engel, eigentlich: Johannes Scheffler (1624-1677):
Aus dem Cherubinischen Wandersmann. Kritische Ausgabe.
Hg.  Louise Gnädinger. Stuttgart: Reclam TB 8006[5], 1985 u.ö., Fünftes Buch, S. 216



GOTTHOLD EPHRAIM LESSING (1729–1781): 
NATHAN DER WEISE


Die Begegnung der Religionen wird in der Aufklärung bewusst und auch kirchenkritisch thematisiert.
Die auf Boccaccio zurückgehende Ringparabel, die Gotthold Ephraim Lessing in einen szenischen Kontext setzt, wird sehr schnell als Dokument der Toleranz gepriesen. Auch ihre Wirkungsgeschichte ist bis heute keineswegs abgeschlossen, ja es stellt sich ernsthaft die Frage, ob das Christentum in seiner Gänze wirklich hinter dieser Aussage steht:
                                      Es eifre jeder seiner unbestochnen
                                von Vorurteilen freien Liebe nach!
                                Es strebe von euch jeder um die Wette,
                                die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag
                                zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,
                                mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
                                mit innigster Ergebenheit in Gott
                                zu Hülf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
                                bei euern Kindes-Kindern äußern,
                                so lad ich über tausend tausend Jahre
                                sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
                                ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
                                als ich und sprechen, geht!
Nathan der Weise, 3. Aufzug, 7. Auftritt



FRIEDRICH DER GROSSE (1712–1786): RANDGLOSSEN

Friedrich II. d. Gr. von Preußen war für seine Randglossen berühmt. Am 23. Juli 1749 setzte er durch, dass das evangelisch geprägte Glogau, der katholischen Kirche die gleichen Rechte zukommen lassen musste:

„Die Religionen müssen alle tolerieret werden, und muss der Fiskal nur das Auge darauf haben, dass keine der anderen Abbruch tue, denn hier muss ein jeder nach seiner Fasson (= Konfession) selig werden.“ Im gleichen Jahr heißt es auf eine Anfrage des Stadtrates von Frankfurt/Oder, ob ein katholischer Kaufmann das Bürgerrecht erwerben dürfe: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie professieren (= bekennen), ehrliche Leute sind. Und wenn Türken (= Muslime) und Heiden (= Nichtchristen) kämen und wollten das Land peuplieren (= bevölkern), so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen. Ein jeder kann bei mir glauben, was er will, wenn er nur ehrlich ist.“

(z.T. zitiert nach H. Rössler: Größe und Tragik des christlichen Europas <1955> und wieder aufgenommen in: Christen im Dialog mit den Weltreligionen. Arbeitsblätter Sekundarstufe II. Stuttgart/Leipzig: Klett 1996, S. 13, M 2).



JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749–1832)
SICH ZWISCHEN DEN WELTEN WIEGEN


Wer sich selbst und andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Occident
Sind nicht mehr zu trennen:

Sinnig zwischen beiden Welten.
Sich zu wiegen, lass ich gelten;
Also zwischen Ost und Westen
Sich bewegen, sei's zum Besten.

West-östlicher Divan, Nachtrag, 1825/26


Dieses Baumes Blatt, der von Osten
meinem Garten anvertraut,
gibt geheimen Sinn zu kosten,
wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
dass man sie als eines kennt.

Solche Frage zu erweitern,
fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst Du nicht in meinen Liedern,
dass ich eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe,
aus dem West-östlichen Divan



  
FRIEDRICH SCHILLER (1759–1805): 
MEINE RELIGION

Mein Glaube:
"Welche Religion ich bekenne?
Keine von allen, die du mir nennst!"
Und warum keine?
"Aus Religion"
                                                                               Epigramm 1797

Die Vielfalt der Heiligen Schriften

MARTIN BUBER (1878–1975): DER BESONDERE WEG
Gott sagt nicht: »Das ist ein Weg zu mir, das aber nicht«, sondern er sagt: »Alles, was du tust, kann ein Weg zu mir sein, wenn du es nur so tust, dass es dich zu mir führt.« Was aber dies ist, das eben dieser Mensch und kein anderer tun kann und tun soll, kann ihm nur aus ihm nur aus ihm selber offenbar werden. Hier kann, wie gesagt, nur irreführen, wenn einer darauf schaut, wie weit es ein anderer gebracht hat, und es ihm  nachzutun trachtet; denn dabei entgeht ihm eben, wozu er und nur er allein berufen ist. Der Baalschem (Rabbi Israel ben Elieser, 1700-1760) sagt: »Jedermann soll sich seiner Stufe entsprechend verhalten. Geschieht dem aber nicht so: wer die Stufe seines Gefährten erfasst und seine eigne fahren lässt, diese und jene werden durch ihn nicht verwirklicht werden.«Auf welchem Weg ein Mensch zu Gott gelangt, kann somit nichts anderes ihm sagen als die Erkenntnis seines eigenen Wesens, die Erkenntnis seiner wesentlichen Eigenschaft und Neigung. »In jedermann ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist. Was aber in einem Menschen »kostbar« ist, kann er nur entdecken, wenn er sein stärkstes Gefühl, seinen zentralen Wunsch, das in ihm, was sein Innerstes bewegt, wahrhaft erfasst.“
Martin Buber: Der Weg des Menschen nach chassidischer Lehre.
 Heidelberg: Lambert Schneider 199411, S. 19f


AUSDRUCK DES WELT– UND ZEITVERSTÄNDNISSES
  
Diese chinesischen Schriftzeichen bedeuten:
Ein Gedanke 3000 [Welten]: Yi niën san qiën (japanisch: ichinen sanzen)
Jeder Augenblick und jedes Phänomen enthält das gesamte Universum in sich.
Alles ist miteinanderverbunden; alles ist in jedem enthalten.
Damit fallen Zeit und Ewigkeit zusammen,
aber auch der Raum ist „aufgehoben“.


Zusammenstellung: Reinhard Kirste
relpäd/Mystik/Gleichwertigkeit


Samstag, 12. Mai 2018

Brot, das vom Himmel gekommen ist


Anmerkungen zu Johannes 6,1–15.24–29.44–48

1.  Eine Mahlzeit mit Missverständnissen
Was für  ein Wunder, das uns das Johannes-Evangelium erzählt: Es ist kaum etwas zum Essen da und doch werden 5000 Leute satt, 5000 Mägen gefüllt. Aber der große Wundertäter Jesus verschwindet auf einen Berg.
Er geht weg vom Lärm der irdischen Begeisterung und zieht sich in die Stille des Himmels zurück. Die satt Gewordenen wollten ihn nämlich am liebsten gleich zum König machen. In der Nacht konnten sie ihn allerdings schlecht suchen, aber dann am nächsten Morgen …
Machen wir uns klar: Wenn jemand etwas so Spektakuläres tut, dann ist er ganz schnell der Größte, der Champion. Ein solcher soll gleich König werden, Führer für die bisher Verunsicherten. Denn ein solcher Mensch gibt der Existenz Auftrieb. Also suchen die Leute Jesus am nächsten Tage, um ihn hochleben zu lassen.
2.  Die Blickrichtung ändern
Und wir sind im Grunde nicht viel anders als diese Menschen damals. Wir haben dieselbe Mentalität: Auch wir begrüßen, ja wählen genau die Menschen, die uns eine gute Wirtschaftslage und Wohlstand für alle versprechen. Wir möchten ja schließlich alle vorankommen und gut dastehen. Jesus bringt es in der Begegnung mit der Jubelmenge auf den Punkt: Ihr seid nicht deswegen hier, weil ihr die Speisung der 5000 als ein Zeichen einer tiefen Wahrheit verstanden habt, nein ihr seid nur gekommen, weil ihr satt geworden seid. Aber Brot ist mehr als nur ein Lebensmittel, um satt zu werden, Brot wird zum Zeichen, wenn man es in himmlischen Zusammenhängen sieht. Aber wer nur auf die Erde blickt, kann das Himmlische nicht sehen.
Auch in der Kirche pflegen wir durchaus diese Mentalität, nur auf die Erde zu blicken – auf den möglichst ausgeglichenen Finanzaushalt der Gemeinde, auf die Stellenpläne, um die unrentablen Posten zu streichen. Jesus stellt jedoch solches Verhalten konsequent in Frage. Schauen wir als Christen wirklich auf das Brot, das vom Himmel kommt? Schauen wir also wirklich auf Jesus, als Symbol eines Lebens, das über die irdischen Bedürfnisse hinausgeht? Wie aber sieht das himmlische Brot konkret in unserem Leben aus?
3.  Himmlisches Brot und himmlische Orientierung
Wenn wir unser Christsein betrachten, wie sieht der Alltag aus? Wir essen und trinken drei oder viermal am Tag, um unsren Körper mit den nötigsten Lebensmitteln zu versorgen. Dabei stehen wir eher in der Gefahr, dem Körper mehr zu geben, als er wirklich braucht. Und wie oft beten wir am Tag? Erinnern wir uns an die Stundengebete der Klöster. Dort wird fünfmal am Tag gebetet. Wir alle haben jedoch die Möglichkeit, wenn wir dreimal am Tag die Glocken der Kirchen hören – morgens, mittags und abends – wenigstens einen Augenblick innezuhalten.
Das sind dann vielleicht keine formulierten Gebete. Es ist aber das, was Jesus meint: himmlische Orientierung. Sie kommt besonders im Dank zum Ausdruck: Dank auch für die Kleinigkeiten, das Lächeln eines uns fremden Menschen, der blühende Baum an der Straße, das bewusste Suchen der stillen Momente zwischendurch oder gar am Abend. Es ist natürlich auch die Dankbarkeit, vor einem Unglück bewahrt worden zu sein. Früher sprach man ja noch vom Feierabend, der Zeit für solch nachdenkendes Beten ließ. In solchen Augenblicken, aber natürlich auch in den Zeiten des bewussten Betens spüren wir etwas vom Brot, das vom Himmel kommt.
Damit hat auch jede gemeinsame Mahlzeit die Möglichkeit zum Zeichen für himmlisches Brot zu werden. Im Abendmahl wird dies besonders deutlich: Worte der Zusage, gegenseitig das Brot brechen, gegenseitig den Kelch reichen und sich dabei den Frieden wünschen, der höher ist als alle Vernunft. Das Zeichen des himmlischen Brotes wird Anstoß zum Hören und Lernen dessen, was entscheidend im Leben ist.
V. 33: Denn das ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und Leben gibt.
4.  Er-Ziehung zu Gott – Liebeserziehung
Wir müssen also unsere Mentalität ändern, damit wir die himmlische Orientierung überhaupt wahr-nehmen und uns zu Gott ziehen lassen. Im deutschen Wort er-ziehen steckt ja das Ziehen. Der johanneische Jesus bezieht sich dabei auf ein Wort aus Jesaja 54,13 nach der Septuaginta: Gott selbst will unser Lehrer sein. Das kann man sich durchaus so vorstellen wir in der Pfingstgeschichte. Dort wird es in den Köpfen und Hirnen der Jünger plötzlich hell, es geht ihnen ein Licht auf. Pfingsten wird damit zum Leuchtzeichen für eine Veränderung von innen heraus. Von Gott gelehrt sein bedeutet, dass er uns den rechten Weg ziehen /er-ziehen will, damit wir nicht im Alltäglichen hängen bleiben, sondern als Verwandelte / Richtungsgeänderte die Dinge tun, die heute und hier notwendig / Not wendend sind. Der große tschechische Pädagoge Johann Amos Comenius (1592–1670) hat in seiner Didactica Magna, also in der Kunst des Lehrens und Lernens geschrieben, dass eine wahrhaft menschliche Erziehung nur durch eine von Gott bestimme Humanität möglich ist. Er zeigt damit auch Maßstäbe für das Zusammenleben untereinander auf. Das bedeutet: Nicht der ist der Größte, der die spektakulärsten Taten vollbringt, sondern derjenige, der sich von der göttlichen Liebe ziehen/er-ziehen lässt. Das ist übrigens keine Frage des Alters. Wir alle haben diese Erziehung, diese liebende ZUGKRAFT GOTTES  bitter nötig. Jesus hilft uns dabei, denn er gibt die Orientierung vor: Wer mich sieht, der sieht den Vater (Johannes 14,9).
Wir sind eingeladen, am Werk der Menschenliebe Gottes mitzuziehen. Möglichkeiten dafür gibt es genug – jeden Tag !  Zögern wir nicht: Es ist höchste Zeit angesichts all der Unmenschlichkeiten, die in unserer kleinen Umgebung, aber ebenso auch in den Krisenregionen der Welt mit ungeheurer Brutalität geschehen.
Für diese Arbeit ist auch die richtige Nahrung nötig, Stärkung für die Aufgaben: Brot des Lebens. Solche Kräftigungen können für uns auch andere Menschen sein, Vorbilder, die uns Hilfestellung geben. Und jetzt verstehen wir vielleicht auch das Wort Jesu: „ICH BIN DAS BROT DES LEBENS“ (V. 48). Amen.
CC
relpäd/Johannes 6 ---12..05.18

Predigt-Materialien, Nacherzählungen, Gottesdienst-Entwürfe (aktualisiert)

Friedensreich Hundertwasser-BIBEL

Aufgrund jahrzehntelanger Gottesdienst-Tätigkeit in Gemeinde und Schule sind viele Predigten zu biblischen Texten,
Andachten und neue Liturgieformen entstanden.
Sie werden hier in einer
kleinen Auswahl vorgestellt,
dazu thematische Anregungen,
Gebete und Meditationen.




Thematisches
  • Schulgottesdienst als Fest und Besinnung
    Theologisch-homiletische Einführung
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay):
    Schulgottesdienste. 
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 7-15
  • Unterwegs zum Leben. Gottesdienste mit Schülern
    der Sekundarstufe I und II.

    Dienst am Wort Bd. 36. Göttingen: V & R  1979, 144 S., Abb.
  • Gottes Liebe ist noch nicht zu Ende
    Schulgottesdienst zu 1. Mose 6-8: Noah- die Arche die große Flut
    In: Horst Nitschke (Hg.): Gottesdienste mit Schülern.
    Für Schulanfänger - Zur Schulentlassung - Während der Schulzeit - Zum Reformationstag.
    Gütersloher verlagshaus 1979, S. 80-84
  • Abendmahl am Morgen - Frühstücksgottesdienst in der Schule
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 135-137
  • Der Abendmahlsteil in Schulgottesdiensten
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 105-109
  • Auf dem Weg zu wahrer ökumenischer Gastfeundschaft
    Mehr als eine Problemanzeige

    Gottesdienst Praxis Serie B ----
    (Hg.:  Erhard Domay): Abendmahl.
    Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 121-130
  • Jesus und Mohammed - eine Bildbetrachtung
  • Passion - Kreuzweg zum Leben
  • Passion:
    Ich kenne einen, der riskierte alles
    Gottesdienstpraxis Serie B: Passion
    Hg.: Horst Nitschke. Gütersloher Verlagshaus 1983, S. 57-73
  • Taufe
    Ein neuer Name - ein neues Ich.
    Überlegungen zum Thema Taufe und eine Aktion mit YtongsteinenGottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Taufe. , V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 29-32
  • Weitere Taufgottesdienste, siehe Bibelstellen
  • Trauung 1
    Persönliche Gedanken zur christlichen Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann:
    Trauung. Gottesdienstmodelle, Gebet, Voten, Predigten, Besinnungen, Anleitungen.
    Gütersloher Verlagshaus 1975, S. 147-149
  • Trauung 2
    Elemente der Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Heinz-Dieter Knigge:
    Trauung 2. Predigten, Gebete, Voten, Besinnungen, neue Formen
    Gütersloher Verlagshaus 1979, S. 94-98
  • Am Grabe
    Predigten, Gebete, Predigtanalysen. Hg. Horst Nitschke 
    in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann.
    Gütersloher Verlagshaus  1975
    Predigt: Euer Herz erschrecke nicht (Johannes 14,1-6)
    ... (aaO S. 115 [S. 114-117])
Morgenimpulse



Predigttexte, liturgische Anregungen, Erzählendes


  • Jesaja 42, 1-9: Gott gibt Lebensatem
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Letzter Sonntag nach Epiphanias.. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 112-113

    den um Gerechtigkeit kämpfenden Hauptmann Moor in einen furchtbaren Gewissenskonflikt.


  • Jesaja 43, 1-7: Identität und Namensgebung
  • Jesaja 49, 1-6: Gescheiterte Hoffnung und dennoch Licht der Welt
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 74f
    Der Gottesknecht - ein Licht für die Welt
    Jesus erzählt einigen Engeln im Himmel aus seiner irdischen Geschichte: "40 Tage hatte ich mich aus dem Leben meiner Stadt zurückgezogen, mit mir und der Wüste allein. Ich hatte seit meiner Kindheit den Eindruck, dass etwas Besonders auf mich wartete, aber was das war, wurde mir erst in diesen 40 Tagen und besonders in den 40 Nächten des Fastens klar. Die inneren Erlebnisse ...
     
  • Jesaja 55, 6-13: Der Mensch im Kreislauf der Natur
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 2:
    Sexagesimae bis Kantate. Gütersloher Verlagshaus 2001, S. 9
  • Jesaja 60, 1-2: Licht im Dunkel
  • Jesaja 62, 1-12: Jerusalem oder Hoffnung auf die neue Stadt
  • Jeremia 29,1.4-14: Was ist das Beste für eine Stadt?
  • Daniel 12,1-7:  Lehrer der Gerechtigkeit auf dem Weg zur Weisheit
    (Erinnerung an Paul Schwarzenau)
15. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 95-96
  • Johannes 14,1-10 mit Bezug auf Kap. 16 und Joh 3,14
    Christliche Identität im Johannes-EvangeliumIn: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek Bd. 7.
    Nordhausen: Bautz 2006, S.115-120.124-128
    --- Textauszug:
        Religiöse Identitätserweiterung, aaO S. 121-122 (überarbeitet)

    Vorfassung: Johannes 14,1-7 im Blick auf die Gründung des Ökumenischen Rates 1948.
    In: GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), I. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis Israelsonntag. Gütersloher Verlagshaus 2003, S. 142-149
  • Johannes 14, 15-19: Abschied und Tröster
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie A
    ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 3:

    Rogate bis 3. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 26-30
  • Johannes 16,7-8: Der islamische Paraklet
    - eine komplementäre Auslegung
    In: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek, Bd. 7
    Nordhausen: Bautz 2006, S. 124-126
  • Johannes 20,1-18: Maria Magdalena - neu sehen lernen
  • Apostelgeschichte 1, 1-12 (Himmelfahrt)
  • Apostelgeschichte 2,1-18: Geistes-Gegenwart.
    Anregungen für einen pfingstlichen Schulgottesdienst in der Sekundarstufe I
  • Apostelgeschichte 2,37-47: Geistes-Gegenwart [heute]
  • Apostelgeschichte 8, 26-40: Ein Finanzminister aus Äthiopien
  • Römer 9-11: Juden und Christen
  • Römer 14, 10-13: Kritik - Unterscheidung - Entscheidung
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Rogate bis 11. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 104
  • 1. Korinther 1,18-25: Der Skandal - im Kreuz Christi liegt das Heil
  • 1. Korinther 2,12-16: Natürlicher und geistlicher Mensch
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), IV. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis 9. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 55
  • 2. Korinther 4,3-6: Wenn Licht durchscheint
    Vorfassung: 
    GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Invokavit. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 96-103
  • 2. Korinther 9,6-15: Freizügigkeit und Freiheit des Gebens
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 4:
    12. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 55
                      Aufgrund des Konflikts,
         
     




CC