Samstag, 12. Mai 2018

Brot, das vom Himmel gekommen ist


Anmerkungen zu Johannes 6,1–15.24–29.44–48

1.  Eine Mahlzeit mit Missverständnissen
Was für  ein Wunder, das uns das Johannes-Evangelium erzählt: Es ist kaum etwas zum Essen da und doch werden 5000 Leute satt, 5000 Mägen gefüllt. Aber der große Wundertäter Jesus verschwindet auf einen Berg.
Er geht weg vom Lärm der irdischen Begeisterung und zieht sich in die Stille des Himmels zurück. Die satt Gewordenen wollten ihn nämlich am liebsten gleich zum König machen. In der Nacht konnten sie ihn allerdings schlecht suchen, aber dann am nächsten Morgen …
Machen wir uns klar: Wenn jemand etwas so Spektakuläres tut, dann ist er ganz schnell der Größte, der Champion. Ein solcher soll gleich König werden, Führer für die bisher Verunsicherten. Denn ein solcher Mensch gibt der Existenz Auftrieb. Also suchen die Leute Jesus am nächsten Tage, um ihn hochleben zu lassen.
2.  Die Blickrichtung ändern
Und wir sind im Grunde nicht viel anders als diese Menschen damals. Wir haben dieselbe Mentalität: Auch wir begrüßen, ja wählen genau die Menschen, die uns eine gute Wirtschaftslage und Wohlstand für alle versprechen. Wir möchten ja schließlich alle vorankommen und gut dastehen. Jesus bringt es in der Begegnung mit der Jubelmenge auf den Punkt: Ihr seid nicht deswegen hier, weil ihr die Speisung der 5000 als ein Zeichen einer tiefen Wahrheit verstanden habt, nein ihr seid nur gekommen, weil ihr satt geworden seid. Aber Brot ist mehr als nur ein Lebensmittel, um satt zu werden, Brot wird zum Zeichen, wenn man es in himmlischen Zusammenhängen sieht. Aber wer nur auf die Erde blickt, kann das Himmlische nicht sehen.
Auch in der Kirche pflegen wir durchaus diese Mentalität, nur auf die Erde zu blicken – auf den möglichst ausgeglichenen Finanzaushalt der Gemeinde, auf die Stellenpläne, um die unrentablen Posten zu streichen. Jesus stellt jedoch solches Verhalten konsequent in Frage. Schauen wir als Christen wirklich auf das Brot, das vom Himmel kommt? Schauen wir also wirklich auf Jesus, als Symbol eines Lebens, das über die irdischen Bedürfnisse hinausgeht? Wie aber sieht das himmlische Brot konkret in unserem Leben aus?
3.  Himmlisches Brot und himmlische Orientierung
Wenn wir unser Christsein betrachten, wie sieht der Alltag aus? Wir essen und trinken drei oder viermal am Tag, um unsren Körper mit den nötigsten Lebensmitteln zu versorgen. Dabei stehen wir eher in der Gefahr, dem Körper mehr zu geben, als er wirklich braucht. Und wie oft beten wir am Tag? Erinnern wir uns an die Stundengebete der Klöster. Dort wird fünfmal am Tag gebetet. Wir alle haben jedoch die Möglichkeit, wenn wir dreimal am Tag die Glocken der Kirchen hören – morgens, mittags und abends – wenigstens einen Augenblick innezuhalten.
Das sind dann vielleicht keine formulierten Gebete. Es ist aber das, was Jesus meint: himmlische Orientierung. Sie kommt besonders im Dank zum Ausdruck: Dank auch für die Kleinigkeiten, das Lächeln eines uns fremden Menschen, der blühende Baum an der Straße, das bewusste Suchen der stillen Momente zwischendurch oder gar am Abend. Es ist natürlich auch die Dankbarkeit, vor einem Unglück bewahrt worden zu sein. Früher sprach man ja noch vom Feierabend, der Zeit für solch nachdenkendes Beten ließ. In solchen Augenblicken, aber natürlich auch in den Zeiten des bewussten Betens spüren wir etwas vom Brot, das vom Himmel kommt.
Damit hat auch jede gemeinsame Mahlzeit die Möglichkeit zum Zeichen für himmlisches Brot zu werden. Im Abendmahl wird dies besonders deutlich: Worte der Zusage, gegenseitig das Brot brechen, gegenseitig den Kelch reichen und sich dabei den Frieden wünschen, der höher ist als alle Vernunft. Das Zeichen des himmlischen Brotes wird Anstoß zum Hören und Lernen dessen, was entscheidend im Leben ist.
V. 33: Denn das ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und Leben gibt.
4.  Er-Ziehung zu Gott – Liebeserziehung
Wir müssen also unsere Mentalität ändern, damit wir die himmlische Orientierung überhaupt wahr-nehmen und uns zu Gott ziehen lassen. Im deutschen Wort er-ziehen steckt ja das Ziehen. Der johanneische Jesus bezieht sich dabei auf ein Wort aus Jesaja 54,13 nach der Septuaginta: Gott selbst will unser Lehrer sein. Das kann man sich durchaus so vorstellen wir in der Pfingstgeschichte. Dort wird es in den Köpfen und Hirnen der Jünger plötzlich hell, es geht ihnen ein Licht auf. Pfingsten wird damit zum Leuchtzeichen für eine Veränderung von innen heraus. Von Gott gelehrt sein bedeutet, dass er uns den rechten Weg ziehen /er-ziehen will, damit wir nicht im Alltäglichen hängen bleiben, sondern als Verwandelte / Richtungsgeänderte die Dinge tun, die heute und hier notwendig / Not wendend sind. Der große tschechische Pädagoge Johann Amos Comenius (1592–1670) hat in seiner Didactica Magna, also in der Kunst des Lehrens und Lernens geschrieben, dass eine wahrhaft menschliche Erziehung nur durch eine von Gott bestimme Humanität möglich ist. Er zeigt damit auch Maßstäbe für das Zusammenleben untereinander auf. Das bedeutet: Nicht der ist der Größte, der die spektakulärsten Taten vollbringt, sondern derjenige, der sich von der göttlichen Liebe ziehen/er-ziehen lässt. Das ist übrigens keine Frage des Alters. Wir alle haben diese Erziehung, diese liebende ZUGKRAFT GOTTES  bitter nötig. Jesus hilft uns dabei, denn er gibt die Orientierung vor: Wer mich sieht, der sieht den Vater (Johannes 14,9).
Wir sind eingeladen, am Werk der Menschenliebe Gottes mitzuziehen. Möglichkeiten dafür gibt es genug – jeden Tag !  Zögern wir nicht: Es ist höchste Zeit angesichts all der Unmenschlichkeiten, die in unserer kleinen Umgebung, aber ebenso auch in den Krisenregionen der Welt mit ungeheurer Brutalität geschehen.
Für diese Arbeit ist auch die richtige Nahrung nötig, Stärkung für die Aufgaben: Brot des Lebens. Solche Kräftigungen können für uns auch andere Menschen sein, Vorbilder, die uns Hilfestellung geben. Und jetzt verstehen wir vielleicht auch das Wort Jesu: „ICH BIN DAS BROT DES LEBENS“ (V. 48). Amen.
CC
relpäd/Johannes 6 ---12..05.18

Predigt-Materialien, Nacherzählungen, Gottesdienst-Entwürfe (aktualisiert)

Friedensreich Hundertwasser-BIBEL

Aufgrund jahrzehntelanger Gottesdienst-Tätigkeit in Gemeinde und Schule sind viele Predigten zu biblischen Texten,
Andachten und neue Liturgieformen entstanden.
Sie werden hier in einer
kleinen Auswahl vorgestellt,
dazu thematische Anregungen,
Gebete und Meditationen.




Thematisches
  • Schulgottesdienst als Fest und Besinnung
    Theologisch-homiletische Einführung
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay):
    Schulgottesdienste. 
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 7-15
  • Unterwegs zum Leben. Gottesdienste mit Schülern
    der Sekundarstufe I und II.

    Dienst am Wort Bd. 36. Göttingen: V & R  1979, 144 S., Abb.
  • Gottes Liebe ist noch nicht zu Ende
    Schulgottesdienst zu 1. Mose 6-8: Noah- die Arche die große Flut
    In: Horst Nitschke (Hg.): Gottesdienste mit Schülern.
    Für Schulanfänger - Zur Schulentlassung - Während der Schulzeit - Zum Reformationstag.
    Gütersloher verlagshaus 1979, S. 80-84
  • Abendmahl am Morgen - Frühstücksgottesdienst in der Schule
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 135-137
  • Der Abendmahlsteil in Schulgottesdiensten
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 105-109
  • Auf dem Weg zu wahrer ökumenischer Gastfeundschaft
    Mehr als eine Problemanzeige

    Gottesdienst Praxis Serie B ----
    (Hg.:  Erhard Domay): Abendmahl.
    Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 121-130
  • Jesus und Mohammed - eine Bildbetrachtung
  • Passion - Kreuzweg zum Leben
  • Passion:
    Ich kenne einen, der riskierte alles
    Gottesdienstpraxis Serie B: Passion
    Hg.: Horst Nitschke. Gütersloher Verlagshaus 1983, S. 57-73
  • Taufe
    Ein neuer Name - ein neues Ich.
    Überlegungen zum Thema Taufe und eine Aktion mit YtongsteinenGottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Taufe. , V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 29-32
  • Weitere Taufgottesdienste, siehe Bibelstellen
  • Trauung 1
    Persönliche Gedanken zur christlichen Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann:
    Trauung. Gottesdienstmodelle, Gebet, Voten, Predigten, Besinnungen, Anleitungen.
    Gütersloher Verlagshaus 1975, S. 147-149
  • Trauung 2
    Elemente der Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Heinz-Dieter Knigge:
    Trauung 2. Predigten, Gebete, Voten, Besinnungen, neue Formen
    Gütersloher Verlagshaus 1979, S. 94-98
  • Am Grabe
    Predigten, Gebete, Predigtanalysen. Hg. Horst Nitschke 
    in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann.
    Gütersloher Verlagshaus  1975
    Predigt: Euer Herz erschrecke nicht (Johannes 14,1-6)
    ... (aaO S. 115 [S. 114-117])
Morgenimpulse



Predigttexte, liturgische Anregungen, Erzählendes


  • Jesaja 42, 1-9: Gott gibt Lebensatem
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Letzter Sonntag nach Epiphanias.. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 112-113

    den um Gerechtigkeit kämpfenden Hauptmann Moor in einen furchtbaren Gewissenskonflikt.


  • Jesaja 43, 1-7: Identität und Namensgebung
  • Jesaja 49, 1-6: Gescheiterte Hoffnung und dennoch Licht der Welt
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 74f
    Der Gottesknecht - ein Licht für die Welt
    Jesus erzählt einigen Engeln im Himmel aus seiner irdischen Geschichte: "40 Tage hatte ich mich aus dem Leben meiner Stadt zurückgezogen, mit mir und der Wüste allein. Ich hatte seit meiner Kindheit den Eindruck, dass etwas Besonders auf mich wartete, aber was das war, wurde mir erst in diesen 40 Tagen und besonders in den 40 Nächten des Fastens klar. Die inneren Erlebnisse ...
     
  • Jesaja 55, 6-13: Der Mensch im Kreislauf der Natur
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 2:
    Sexagesimae bis Kantate. Gütersloher Verlagshaus 2001, S. 9
  • Jesaja 60, 1-2: Licht im Dunkel
  • Jesaja 62, 1-12: Jerusalem oder Hoffnung auf die neue Stadt
  • Jeremia 29,1.4-14: Was ist das Beste für eine Stadt?
  • Daniel 12,1-7:  Lehrer der Gerechtigkeit auf dem Weg zur Weisheit
    (Erinnerung an Paul Schwarzenau)
15. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 95-96
  • Johannes 14,1-10 mit Bezug auf Kap. 16 und Joh 3,14
    Christliche Identität im Johannes-EvangeliumIn: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek Bd. 7.
    Nordhausen: Bautz 2006, S.115-120.124-128
    --- Textauszug:
        Religiöse Identitätserweiterung, aaO S. 121-122 (überarbeitet)

    Vorfassung: Johannes 14,1-7 im Blick auf die Gründung des Ökumenischen Rates 1948.
    In: GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), I. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis Israelsonntag. Gütersloher Verlagshaus 2003, S. 142-149
  • Johannes 14, 15-19: Abschied und Tröster
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie A
    ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 3:

    Rogate bis 3. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 26-30
  • Johannes 16,7-8: Der islamische Paraklet
    - eine komplementäre Auslegung
    In: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek, Bd. 7
    Nordhausen: Bautz 2006, S. 124-126
  • Johannes 20,1-18: Maria Magdalena - neu sehen lernen
  • Apostelgeschichte 1, 1-12 (Himmelfahrt)
  • Apostelgeschichte 2,1-18: Geistes-Gegenwart.
    Anregungen für einen pfingstlichen Schulgottesdienst in der Sekundarstufe I
  • Apostelgeschichte 2,37-47: Geistes-Gegenwart [heute]
  • Apostelgeschichte 8, 26-40: Ein Finanzminister aus Äthiopien
  • Römer 9-11: Juden und Christen
  • Römer 14, 10-13: Kritik - Unterscheidung - Entscheidung
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Rogate bis 11. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 104
  • 1. Korinther 1,18-25: Der Skandal - im Kreuz Christi liegt das Heil
  • 1. Korinther 2,12-16: Natürlicher und geistlicher Mensch
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), IV. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis 9. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 55
  • 2. Korinther 4,3-6: Wenn Licht durchscheint
    Vorfassung: 
    GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Invokavit. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 96-103
  • 2. Korinther 9,6-15: Freizügigkeit und Freiheit des Gebens
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 4:
    12. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 55
                      Aufgrund des Konflikts,
         
     




CC

Montag, 26. März 2018

Die Lebenskraft des Samens - gegen den Tod

MUTABOR
 Ich werde verwandelt.



They tried
to bury us. 
They didn’t know
we were seeds.


Sie versuchten,
uns zu beerdigen. 

Sie wussten nicht,
dass wir der Same waren.












It appears to have been written by Greek poet Dinos Christianopoulos.
As a lyrical voice for the homosexual community in the 20th century,
Mr. Christianopoulos has endured many instances where his work
has been diminished or overlooked. Luckily he has a friend
and supporter named Christos Paridis, who spotted this image
and wrote to me with the original source. 

Update, Jan 12 2015 --- gefunden bei: J.H. Fearless
The source of this quote has been discovered!
Originaler griechischer Text:   Original text in Greek

These lines were written in the 1970s, and were directed at the literary community
 that had marginalized Christianopoulos’ writing.
True enough, the poem was a seed, destined to sprout.
Within a few decades, this phrase was picked up by the Mexican counterculture,
written as
Quisieron enterrarnos, pero se les olvido que somos semillas.
That’s how I came across it, on this Reddit thread. According to posters there,
it’s been in use for many years in the Zapatista movement, and has come back
 into frequent use among protesters in recent civil unrest.
So how to reference this quote? It has changed, as ideas do,
by being transferred to a new community – and with that change has come
new meaning and new import. That’s the nature of a meme, I suppose."
Erinnerung an  Jesu Gleichnis vom Weizenkorn 
und des Polizisten Arnaud Beltrame, 
der sein Leben für andere opferte:
20Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren,
um anzubeten auf dem Fest.
21Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war,
und baten ihn und sprachen:
Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. 
22Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus
und Andreas sagen's Jesus weiter. 
23Jesus aber antwortete ihnen und sprach:
Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.
24/25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: 

Wenn das Weizenkorn
nicht in die Erde fällt

und erstirbt, 
bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, 
bringt es viel Frucht. 

Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren;
und wer sein Leben auf dieser Welt für nichts achtet, 
der wird's erhalten zum ewigen Leben.
Im Zusammenhang der Passionsgeschichte (Johannes 12,20 - 25) 

Dieses Wort Jesu hat der französische Polizist Arnaud Beltrame
bewahrheitet, indem er sein Leben im Austausch für die Geiseln opferte.

Terroranschlag in einem Supermarkt in Trèbes (Südfrankreich)
am 23. März 2018
(NZZ, 24.03.2018)




CC



Sonntag, 25. Februar 2018

Maulana Rumi - im Anhauch Gottes

Cover -Basel: Sphinx 1993
Der berühmte persisch-islamische
Mystiker und Dichter 

Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rumi 
(geb. 30.09.
1207 in Balch, Afghanistan,
gest. 17.12.1273 in Konya, Türkei)
gilt als Gründer des Ordens der tanzenden Derwische
Wegen seiner beeindruckenden Spiritualität wird er auch Maulana (Mewlana) genannt: Großer Meister !
Neben seinem Hauptwerk Mathnawi (Masnavi) ist sein Diwan-e Schams-e Tabrizi nicht minder berühmt. Es besteht in der poetischen Form der Ghaselen (2.000 = ca. 21.000 Verse) und 1700 Vierzeilern, den Ruba'iyat (= ca. 3500 Verse).
Rumi sieht die universale Liebe als entscheidende Kraft des Lebens an. Im Wesenszentrum des Selbst spielt das Ich keine Rolle mehr. Von dieser Liebe geleitet, findet der Suchende auf dem Weg zur Wahrheit Gott im eigenen Herzen.


DAS HERZ ALS ZUFLUCHTSORT FÜR ALLE 
Bisweilen sind wir sichtbar, bisweilen verborgen,
 
bisweilen Moslems, Christen oder Juden. 

Wir durchlaufen viele Formen, 
bis unser Herz Zufluchtsstätte wird für alle.

Die schönsten Gedichte aus dem klassischen Persien, von Ḥāfiẓ, Ǧalāl-ad-Dīn Rūmī,
Umar Ḫaiyām. 
München: C.H. Beck 2009, 3. Aufl., S. 62 (aus dem Diwan)

Was du auch denkst, es wird vergänglich sein.
Was kein Gedanke fassen kann, ist Gott.

Aus dem Mathnavi. Übersetzt von Annemarie Schimmel.
Rumi. Ich bin Wind, und du bist Feuer. 
Leben und Werk des großen Mystikers. DG 20. Köln: Diederichs 1986, 5. Aufl., S. 87


DER TEMPEL GOTTES IM HERZEN
Die hin zur Kaaba pilgern gehn,
Wenn nun an ihrem Ziel sie stehn,
In einem Tale ohne Saat
Ein altes Haus von Stein sie sehn.
Sie gingen hin, um Gott zu schaun'n;
Und nun um's Haus im Kreis sich drehn.
Wann sie sich lange so gedreht,So hören sie die Stimme wehn:
Was, Toren, ruft ihr an den Stein?
Wer wird vom Steine Brot erflehn?
Wenn ihr den Tempel Gottes sucht,
In eurem Herzen tragt ihr den.
Wohl dem, der bei sich selbst kehrt ein,

Statt pilgernd Wüsten durch zu gehn.
Ghaselen XL: Pilger zur Kaaba.
Aus: Mewlana Dschelaleddin Rumi: Das Meer des Herzens geht in tausend Wogen:  Ghaselen. Aus dem Persischen von Friedrich Rückert. Frankfurt/M.: Dagyeli 1988, S. 46



DIE MOSCHEE IN DER FERNE 

Der  Ort, an dem Salomo anbetete,
nennt sich die ferne Moschee.
Sie ist weder aus Erde gebaut,
noch aus Wasser oder Stein,
aber mit Bedeutsamkeit und Weisheit.


Alle ihre Teile sind Erkenntnis und
Antworten auf jedes Andere.

Der Teppich beugt sich zum Besen.
Der Türklopfer und die Tür
schwingen gemeinsam wie Musiker.
Der Herzensschrein lebt,
aber man kann ihn nicht beschreiben.
Warum es also versuchen!?


Salomo geht jeden Morgen dorthin
und gibt Weisung mit Worten,
mit musikalischen Harmonien und in Aktionen.
Sie sind die tiefsten Lehren.
Ein Prinz ist nur ein leerer Gedanke,
bis er etwas tut mit Großmut.


Eine Vogel-Delegation kam zu Salomo und beklagte sich:
"Warum kritisierst du nie die Nachtigall?"
"Weil mein Weg verschieden ist",
erklärte die Nachtigall für Salomo,

Ich singe von Mitte März bis Mitte Juni.
Die andere Zeit, während du ständig zirpst,

bleibe ich schweigend."

Coleman Barks with Johne Moyne, A.J. Arberry & Reynold Nicholson: The Essential Rumi.
Edison, NJ (USA): Castle Books 1997, p. 191f 



ER WAR AN EINEM ANDEREN ORT
Kreuz und Christen –
Ich suchte von einem Ende zum anderen.
Ich prüfte – ER war nicht am Kreuz.
Ich ging zum Hindu-Tempel, zur alten Pagode,
In keinem von ihnen war irgendein Zeichen.
Ich ging ins Hochland von Herat und nach Kandahar.
Ich sah nach.
ER war weder auf den Höhen noch im Tiefland.
Ganz entschlossen stieg ich auf den Gipfel des Kat-Berges.
Dort war nur die Wohnung des Anqa-Vogels.
Ich ging zur Kaaba nach Mekka.
ER war nicht da.
Ich fragte nach IHM bei Avicenna.
Er war jenseits der Reichweite von Avicenna.
Ich sah in mein eigenes Herz,
Dort, an diesem Ort, da sah ich IHN.
ER war an keinem anderen Ort

Aus den Ghaselen (N XVII, nach Reclam TB 1168, S. 59), Textvariation, 
vgl.: Gesänge des tanzenden Gottesfreundes.
Aus der Dichtung des persischen Mystikers Rumi. 
Mit Ornamenten von Karl Thylmann. 
Übertragen und geschrieben von Linde Thylmann. 
Herder-Bücherei: Texte zum Nachdenken Bd. 679. Freiburg u.a.: Herder 1978, S. 33


Lied der Rohrflöte 
als Seelengesang des vollkommenen Menschen


Hör auf der Flöte Rohr – wie es erzählt, und wie es klagt
vom Trennungsschmerz gequält ! 
"Seit man mich aus der Heimat Röhricht schnitt,
weint alle Welt bei meinen Tönen mit.
Ich such ein Herz, vom Trennungsleid zerschlagen,
um von der Trennung Leiden ihm zu sagen.
Sehnt doch nach dem In-Einheit Lebensglück,
wer fern vom Ursprung, immer sich zurück !
Ich klagt’ vor jeder Gruppe in der Welt,
ward Guten bald und Schlechten bald gesellt;
ein jeder dünkte sich mein Freund zu sein,
sucht' mein Geheimnis nicht im Herzen mein.
Und doch, so fern ist’s meiner Klage nicht -
Dem Aug' und Ohre fehlet nur das Licht.
So sind auch Leib und Geist einander klar -
Doch welchem Auge stellt der Geist sich dar?"


Kein Hauch, nein, Feuer sich dem Rohr entwindet -
Verderben dem, dem diese Glut nicht zündet !
Der Liebe Glut ist’s, die ins Rohr gefallen,
der Liebe Brausen lässt den Wein nur wallen.
Die Flöte - der Getrennten Freundin sie -
Zerreißt die Schleier, doch die Melodie !
Wer sah als Gift das Gegengift ihr Gleiches?
Wer sah als Tröster und als Freund ihr Gleiches?
Vom Pfad im Blute will das Rohr berichten,
von Madschnuns Lieb' erzählet es Geschichten.
Vertraut mit diesem Sinn ist nur der Tor,
der Zunge Kunde höret nur das Ohr !


In Leid sind unsere Tage hingeflogen,
und mit den Tagen Plagen mitgezogen;
Doch zieh’n die Tage, lass sie zieh’n in Ruh,
wenn Du nur bleibst, der Reinen reinster Du ! 
Der Fisch nur wird vom Meere niemals satt,
lang wird der Tag dem, der kein Tagbrot hat.


Der Rohe kann den Reifen nicht verstehn -
So soll mein Wort denn kurz zu Ende gehn.
Das Mathnawi
Ausgewählte Geschichten. Aus dem Persischen von Annemarie Schimmel.
Basel: Sphinx 1994, S. 22-25
Vgl. Werner Sundermann (Hg. und aus dem Persischen übersetzt / 
Martin Remané, Nachdichtung): Lob der Geliebten. Klassische persische Dichtungen. 
Berlin: Rütten & Loening 1983, 2. Aufl., S. 111