Mittwoch, 11. April 2018

Predigt-Materialien, Nacherzählungen, Gottesdienst-Entwürfe (aktualisiert)

Friedensreich Hundertwasser-BIBEL

Aufgrund jahrzehntelanger Gottesdienst-Tätigkeit in Gemeinde und Schule sind viele Predigten zu biblischen Texten,
Andachten und neue Liturgieformen entstanden.
Sie werden hier in einer
kleinen Auswahl vorgestellt,
dazu thematische Anregungen,
Gebete und Meditationen.




Thematisches
  • Schulgottesdienst als Fest und Besinnung
    Theologisch-homiletische Einführung
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay):
    Schulgottesdienste. 
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 7-15
  • Unterwegs zum Leben. Gottesdienste mit Schülern
    der Sekundarstufe I und II.

    Dienst am Wort Bd. 36. Göttingen: V & R  1979, 144 S., Abb.
  • Gottes Liebe ist noch nicht zu Ende
    Schulgottesdienst zu 1. Mose 6-8: Noah- die Arche die große Flut
    In: Horst Nitschke (Hg.): Gottesdienste mit Schülern.
    Für Schulanfänger - Zur Schulentlassung - Während der Schulzeit - Zum Reformationstag.
    Gütersloher verlagshaus 1979, S. 80-84
  • Abendmahl am Morgen - Frühstücksgottesdienst in der Schule
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 135-137
  • Der Abendmahlsteil in Schulgottesdiensten
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 105-109
  • Auf dem Weg zu wahrer ökumenischer Gastfeundschaft
    Mehr als eine Problemanzeige

    Gottesdienst Praxis Serie B ----
    (Hg.:  Erhard Domay): Abendmahl.
    Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 121-130
  • Jesus und Mohammed - eine Bildbetrachtung
  • Passion - Kreuzweg zum Leben
  • Passion:
    Ich kenne einen, der riskierte alles
    Gottesdienstpraxis Serie B: Passion
    Hg.: Horst Nitschke. Gütersloher Verlagshaus 1983, S. 57-73
  • Taufe
    Ein neuer Name - ein neues Ich.
    Überlegungen zum Thema Taufe und eine Aktion mit YtongsteinenGottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Taufe. , V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 29-32
  • Weitere Taufgottesdienste, siehe Bibelstellen
  • Trauung 1
    Persönliche Gedanken zur christlichen Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann:
    Trauung. Gottesdienstmodelle, Gebet, Voten, Predigten, Besinnungen, Anleitungen.
    Gütersloher Verlagshaus 1975, S. 147-149
  • Trauung 2
    Elemente der Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Heinz-Dieter Knigge:
    Trauung 2. Predigten, Gebete, Voten, Besinnungen, neue Formen
    Gütersloher Verlagshaus 1979, S. 94-98
  • Am Grabe
    Predigten, Gebete, Predigtanalysen. Hg. Horst Nitschke 
    in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann.
    Gütersloher Verlagshaus  1975
    Predigt: Euer Herz erschrecke nicht (Johannes 14,1-6)
    ... (aaO S. 115 [S. 114-117])
Morgenimpulse



Predigttexte, liturgische Anregungen, Erzählendes


  • Jesaja 42, 1-9: Gott gibt Lebensatem
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Letzter Sonntag nach Epiphanias.. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 112-113

    den um Gerechtigkeit kämpfenden Hauptmann Moor in einen furchtbaren Gewissenskonflikt.


  • Jesaja 43, 1-7: Identität und Namensgebung
  • Jesaja 49, 1-6: Gescheiterte Hoffnung und dennoch Licht der Welt
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 74f
    Der Gottesknecht - ein Licht für die Welt
    Jesus erzählt einigen Engeln im Himmel aus seiner irdischen Geschichte: "40 Tage hatte ich mich aus dem Leben meiner Stadt zurückgezogen, mit mir und der Wüste allein. Ich hatte seit meiner Kindheit den Eindruck, dass etwas Besonders auf mich wartete, aber was das war, wurde mir erst in diesen 40 Tagen und besonders in den 40 Nächten des Fastens klar. Die inneren Erlebnisse ...
     
  • Jesaja 55, 6-13: Der Mensch im Kreislauf der Natur
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 2:
    Sexagesimae bis Kantate. Gütersloher Verlagshaus 2001, S. 9
  • Jesaja 60, 1-2: Licht im Dunkel
  • Jesaja 62, 1-12: Jerusalem oder Hoffnung auf die neue Stadt
  • Jeremia 29,1.4-14: Was ist das Beste für eine Stadt?
  • Daniel 12,1-7:  Lehrer der Gerechtigkeit auf dem Weg zur Weisheit
    (Erinnerung an Paul Schwarzenau)
15. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 95-96
  • Johannes 14,1-10 mit Bezug auf Kap. 16 und Joh 3,14
    Christliche Identität im Johannes-EvangeliumIn: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek Bd. 7.
    Nordhausen: Bautz 2006, S.115-120.124-128
    --- Textauszug:
        Religiöse Identitätserweiterung, aaO S. 121-122 (überarbeitet)

    Vorfassung: Johannes 14,1-7 im Blick auf die Gründung des Ökumenischen Rates 1948.
    In: GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), I. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis Israelsonntag. Gütersloher Verlagshaus 2003, S. 142-149
  • Johannes 14, 15-19: Abschied und Tröster
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie A
    ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 3:

    Rogate bis 3. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 26-30
  • Johannes 16,7-8: Der islamische Paraklet
    - eine komplementäre Auslegung
    In: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek, Bd. 7
    Nordhausen: Bautz 2006, S. 124-126
  • Johannes 20,1-18: Maria Magdalena - neu sehen lernen
  • Apostelgeschichte 1, 1-12 (Himmelfahrt)
  • Apostelgeschichte 2,1-18: Geistes-Gegenwart.
    Anregungen für einen pfingstlichen Schulgottesdienst in der Sekundarstufe I
  • Apostelgeschichte 2,37-47: Geistes-Gegenwart [heute]
  • Apostelgeschichte 8, 26-40: Ein Finanzminister aus Äthiopien
  • Römer 9-11: Juden und Christen
  • Römer 14, 10-13: Kritik - Unterscheidung - Entscheidung
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Rogate bis 11. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 104
  • 1. Korinther 1,18-25: Der Skandal - im Kreuz Christi liegt das Heil
  • 1. Korinther 2,12-16: Natürlicher und geistlicher Mensch
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), IV. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis 9. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 55
  • 2. Korinther 4,3-6: Wenn Licht durchscheint
    Vorfassung: 
    GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Invokavit. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 96-103
  • 2. Korinther 9,6-15: Freizügigkeit und Freiheit des Gebens
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 4:
    12. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 55
                      Aufgrund des Konflikts,
         
     




Montag, 26. März 2018

Die Lebenskraft des Samens - gegen den Tod

MUTABOR
 Ich werde verwandelt.



They tried
to bury us. 
They didn’t know
we were seeds.


Sie versuchten,
uns zu beerdigen. 

Sie wussten nicht,
dass wir der Same waren.












It appears to have been written by Greek poet Dinos Christianopoulos.
As a lyrical voice for the homosexual community in the 20th century,
Mr. Christianopoulos has endured many instances where his work
has been diminished or overlooked. Luckily he has a friend
and supporter named Christos Paridis, who spotted this image
and wrote to me with the original source. 

Update, Jan 12 2015 --- gefunden bei: J.H. Fearless
The source of this quote has been discovered!
Originaler griechischer Text:   Original text in Greek

These lines were written in the 1970s, and were directed at the literary community
 that had marginalized Christianopoulos’ writing.
True enough, the poem was a seed, destined to sprout.
Within a few decades, this phrase was picked up by the Mexican counterculture,
written as
Quisieron enterrarnos, pero se les olvido que somos semillas.
That’s how I came across it, on this Reddit thread. According to posters there,
it’s been in use for many years in the Zapatista movement, and has come back
 into frequent use among protesters in recent civil unrest.
So how to reference this quote? It has changed, as ideas do,
by being transferred to a new community – and with that change has come
new meaning and new import. That’s the nature of a meme, I suppose."
Erinnerung an  Jesu Gleichnis vom Weizenkorn 
und des Polizisten Arnaud Beltrame, 
der sein Leben für andere opferte:
20Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren,
um anzubeten auf dem Fest.
21Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war,
und baten ihn und sprachen:
Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. 
22Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus
und Andreas sagen's Jesus weiter. 
23Jesus aber antwortete ihnen und sprach:
Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.
24/25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: 

Wenn das Weizenkorn
nicht in die Erde fällt

und erstirbt, 
bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, 
bringt es viel Frucht. 

Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren;
und wer sein Leben auf dieser Welt für nichts achtet, 
der wird's erhalten zum ewigen Leben.
Im Zusammenhang der Passionsgeschichte (Johannes 12,20 - 25) 

Dieses Wort Jesu hat der französische Polizist Arnaud Beltrame
bewahrheitet, indem er sein Leben im Austausch für die Geiseln opferte.

Terroranschlag in einem Supermarkt in Trèbes (Südfrankreich)
am 23. März 2018
(NZZ, 24.03.2018)




CC



Sonntag, 25. Februar 2018

Maulana Rumi - im Anhauch Gottes

Cover -Basel: Sphinx 1993
Der berühmte persisch-islamische
Mystiker und Dichter 

Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rumi 
(geb. 30.09.
1207 in Balch, Afghanistan,
gest. 17.12.1273 in Konya, Türkei)
gilt als Gründer des Ordens der tanzenden Derwische
Wegen seiner beeindruckenden Spiritualität wird er auch Maulana (Mewlana) genannt: Großer Meister !
Neben seinem Hauptwerk Mathnawi (Masnavi) ist sein Diwan-e Schams-e Tabrizi nicht minder berühmt. Es besteht in der poetischen Form der Ghaselen (2.000 = ca. 21.000 Verse) und 1700 Vierzeilern, den Ruba'iyat (= ca. 3500 Verse).
Rumi sieht die universale Liebe als entscheidende Kraft des Lebens an. Im Wesenszentrum des Selbst spielt das Ich keine Rolle mehr. Von dieser Liebe geleitet, findet der Suchende auf dem Weg zur Wahrheit Gott im eigenen Herzen.


DAS HERZ ALS ZUFLUCHTSORT FÜR ALLE 
Bisweilen sind wir sichtbar, bisweilen verborgen,
 
bisweilen Moslems, Christen oder Juden. 

Wir durchlaufen viele Formen, 
bis unser Herz Zufluchtsstätte wird für alle.

Die schönsten Gedichte aus dem klassischen Persien, von Ḥāfiẓ, Ǧalāl-ad-Dīn Rūmī,
Umar Ḫaiyām. 
München: C.H. Beck 2009, 3. Aufl., S. 62 (aus dem Diwan)

Was du auch denkst, es wird vergänglich sein.
Was kein Gedanke fassen kann, ist Gott.

Aus dem Mathnavi. Übersetzt von Annemarie Schimmel.
Rumi. Ich bin Wind, und du bist Feuer. 
Leben und Werk des großen Mystikers. DG 20. Köln: Diederichs 1986, 5. Aufl., S. 87


DER TEMPEL GOTTES IM HERZEN
Die hin zur Kaaba pilgern gehn,
Wenn nun an ihrem Ziel sie stehn,
In einem Tale ohne Saat
Ein altes Haus von Stein sie sehn.
Sie gingen hin, um Gott zu schaun'n;
Und nun um's Haus im Kreis sich drehn.
Wann sie sich lange so gedreht,So hören sie die Stimme wehn:
Was, Toren, ruft ihr an den Stein?
Wer wird vom Steine Brot erflehn?
Wenn ihr den Tempel Gottes sucht,
In eurem Herzen tragt ihr den.
Wohl dem, der bei sich selbst kehrt ein,

Statt pilgernd Wüsten durch zu gehn.
Ghaselen XL: Pilger zur Kaaba.
Aus: Mewlana Dschelaleddin Rumi: Das Meer des Herzens geht in tausend Wogen:  Ghaselen. Aus dem Persischen von Friedrich Rückert. Frankfurt/M.: Dagyeli 1988, S. 46



DIE MOSCHEE IN DER FERNE 

Der  Ort, an dem Salomo anbetete,
nennt sich die ferne Moschee.
Sie ist weder aus Erde gebaut,
noch aus Wasser oder Stein,
aber mit Bedeutsamkeit und Weisheit.


Alle ihre Teile sind Erkenntnis und
Antworten auf jedes Andere.

Der Teppich beugt sich zum Besen.
Der Türklopfer und die Tür
schwingen gemeinsam wie Musiker.
Der Herzensschrein lebt,
aber man kann ihn nicht beschreiben.
Warum es also versuchen!?


Salomo geht jeden Morgen dorthin
und gibt Weisung mit Worten,
mit musikalischen Harmonien und in Aktionen.
Sie sind die tiefsten Lehren.
Ein Prinz ist nur ein leerer Gedanke,
bis er etwas tut mit Großmut.


Eine Vogel-Delegation kam zu Salomo und beklagte sich:
"Warum kritisierst du nie die Nachtigall?"
"Weil mein Weg verschieden ist",
erklärte die Nachtigall für Salomo,

Ich singe von Mitte März bis Mitte Juni.
Die andere Zeit, während du ständig zirpst,

bleibe ich schweigend."

Coleman Barks with Johne Moyne, A.J. Arberry & Reynold Nicholson: The Essential Rumi.
Edison, NJ (USA): Castle Books 1997, p. 191f 



ER WAR AN EINEM ANDEREN ORT
Kreuz und Christen –
Ich suchte von einem Ende zum anderen.
Ich prüfte – ER war nicht am Kreuz.
Ich ging zum Hindu-Tempel, zur alten Pagode,
In keinem von ihnen war irgendein Zeichen.
Ich ging ins Hochland von Herat und nach Kandahar.
Ich sah nach.
ER war weder auf den Höhen noch im Tiefland.
Ganz entschlossen stieg ich auf den Gipfel des Kat-Berges.
Dort war nur die Wohnung des Anqa-Vogels.
Ich ging zur Kaaba nach Mekka.
ER war nicht da.
Ich fragte nach IHM bei Avicenna.
Er war jenseits der Reichweite von Avicenna.
Ich sah in mein eigenes Herz,
Dort, an diesem Ort, da sah ich IHN.
ER war an keinem anderen Ort

Aus den Ghaselen (N XVII, nach Reclam TB 1168, S. 59), Textvariation, 
vgl.: Gesänge des tanzenden Gottesfreundes.
Aus der Dichtung des persischen Mystikers Rumi. 
Mit Ornamenten von Karl Thylmann. 
Übertragen und geschrieben von Linde Thylmann. 
Herder-Bücherei: Texte zum Nachdenken Bd. 679. Freiburg u.a.: Herder 1978, S. 33


Lied der Rohrflöte 
als Seelengesang des vollkommenen Menschen


Hör auf der Flöte Rohr – wie es erzählt, und wie es klagt
vom Trennungsschmerz gequält ! 
"Seit man mich aus der Heimat Röhricht schnitt,
weint alle Welt bei meinen Tönen mit.
Ich such ein Herz, vom Trennungsleid zerschlagen,
um von der Trennung Leiden ihm zu sagen.
Sehnt doch nach dem In-Einheit Lebensglück,
wer fern vom Ursprung, immer sich zurück !
Ich klagt’ vor jeder Gruppe in der Welt,
ward Guten bald und Schlechten bald gesellt;
ein jeder dünkte sich mein Freund zu sein,
sucht' mein Geheimnis nicht im Herzen mein.
Und doch, so fern ist’s meiner Klage nicht -
Dem Aug' und Ohre fehlet nur das Licht.
So sind auch Leib und Geist einander klar -
Doch welchem Auge stellt der Geist sich dar?"


Kein Hauch, nein, Feuer sich dem Rohr entwindet -
Verderben dem, dem diese Glut nicht zündet !
Der Liebe Glut ist’s, die ins Rohr gefallen,
der Liebe Brausen lässt den Wein nur wallen.
Die Flöte - der Getrennten Freundin sie -
Zerreißt die Schleier, doch die Melodie !
Wer sah als Gift das Gegengift ihr Gleiches?
Wer sah als Tröster und als Freund ihr Gleiches?
Vom Pfad im Blute will das Rohr berichten,
von Madschnuns Lieb' erzählet es Geschichten.
Vertraut mit diesem Sinn ist nur der Tor,
der Zunge Kunde höret nur das Ohr !


In Leid sind unsere Tage hingeflogen,
und mit den Tagen Plagen mitgezogen;
Doch zieh’n die Tage, lass sie zieh’n in Ruh,
wenn Du nur bleibst, der Reinen reinster Du ! 
Der Fisch nur wird vom Meere niemals satt,
lang wird der Tag dem, der kein Tagbrot hat.


Der Rohe kann den Reifen nicht verstehn -
So soll mein Wort denn kurz zu Ende gehn.
Das Mathnawi
Ausgewählte Geschichten. Aus dem Persischen von Annemarie Schimmel.
Basel: Sphinx 1994, S. 22-25
Vgl. Werner Sundermann (Hg. und aus dem Persischen übersetzt / 
Martin Remané, Nachdichtung): Lob der Geliebten. Klassische persische Dichtungen. 
Berlin: Rütten & Loening 1983, 2. Aufl., S. 111


Freitag, 16. Februar 2018

. . . . . ............ Wegzeichen



HINTER
DEM HORIZONT

BEGINNT DIE EWIGE WEITE
IN DEN SCHATTEN
DES LEBENS

HAT DAS LICHT
SCHON
DIE KONTUREN GESETZT







das göttliche licht
kann nichts hindern
es durchdringt alle mauern
und entflammt in der seele
die glimmenden reste
zu neuer glut
strahlenden menschSEINS
den weg finden
der weg werden
der weg sein
 im werden



WIMPERNSCHLAG DER EWIGKEIT IM JETZT
AUGENBLICK
DER KEINE ZEIT MEHR KENNT
IM AUGENBLICK
SPÜRT SICH DIE EWIGKEIT
GANZ NAHE



Hinter den Vorhängen der Zeit
die durchscheinende Weisheit.
Hinter der Leere
ist der Kosmos bereit,

die Seele zu füllen.
Getränkt vom Nektar ewiger Weisheit
versteht sie den Tag
und erblickt hinter den Vorhängen der Zeit
das Ziel.


                           LIEBE VON DORT
                           KANN JA SAGEN
                          IM HIER
                          UND GILT
                         ALS AMEN 
                       IM WIR




CC




Montag, 12. Februar 2018

Die Vision von der Gleichwertigkeit der Religionen --- Texte vom Mittelalter bis in die Neuzeit ---


Altar religiöser Vielfalt
IBN ARABI VON MURCIA
(1165-1240)


DIE RELIGION DER LIEBE

           Jetzt 
           können
alle Bilder und Formen
Platz in meinem Herzen finden,
denn
mein Herz
wurde eine Weide für die Gazellen,
ein Kloster für die Mönche,
ein Tempel für die Götzen (aus "Götter" möglich),
eine Kaaba des Tawaf (= Umkreisung der Ka’ba),
eine Tafel der Tora
und ein Buch des Korans.
Ich gehöre der Religion der Liebe
und wandele mit festen Schritten auf ihrer Karawanenstraße,
denn Liebe ist mein Bekenntnis und mein Glaube.     

Eigene Übersetzung aus: L'interprète des désirs. Paris: A. Michel 1996, S. 117f

Diesen Text hat Karl-Josef Kuschel zitiert in: Vom Streit zum Wettstreit der Religionen. Lessing und die Herausforderung des Islam. Düsseldorf: Patmos 1998, S. 292. Er hat den Text folgendermaßen wiedergegeben:
„Mein Herz ist für jede Form (des Glaubens) aufnahmefähig geworden.
Es ist daher ein Weideplatz für indische Weisheit,
Ein Kloster für christliche Mönche,
ein Tempel für Götzen,
eine Ka'ba für muslimische Pilger,
Die Gesetzestafeln der Tora
Und die Buchrolle des Koran.
Ich hänge der Religion der mystischen Liebe an.
Wohin auch immer die Kamele ihren Weg nehmen!
Dies ist meine Religion und mein Glaube!


DSCHELALEDDIN RUMI (1207–1273)
DER TEMPEL GOTTES IM HERZEN

Ghaselen XL: Pilger zur Kaaba
Die hin zur Kaaba pilgern gehn,
Wenn nun an ihrem Ziel sie stehn,
In einem Tale ohne Saat
Ein altes Haus von Stein sie sehn.
Sie gingen hin, um Gott zu schaun'n;
Und nun um's Haus im Kreis sich drehn.
Wann sie sich lange so gedreht,
So hören sie die Stimme wehn:
Was, Toren, ruft ihr an den Stein?
Wer wird vom Steine Brot erflehn?
Wenn ihr den Tempel Gottes sucht,
In eurem Herzen tragt ihr den.
Wohl dem, der bei sich selbst kehrt ein,
Statt pilgernd Wüsten durch zu gehn.


Aus: Mewlana Dschelaleddin Rumi: Das Meer des Herzens geht in tausend Wogen: Ghaselen.
Aus dem Persischen von Friedrich Rückert. Frankfurt/M.: Dagyeli 1988, S. 46

ER WAR AN EINEM ANDEREN ORT
Kreuz und Christen – Von einem Ende zum anderen.
Ich prüfte – ER war nicht am Kreuz.
Ich ging zum Hindu-Tempel, zur alten Pagode,
In keinem von ihnen war irgendein Zeichen.
Ich ging ins Hochland von Herat und nach Kandahar.
Ich sah nach.
ER war weder auf den Höhen noch im Tiefland.
Ganz entschlossen stieg ich auf den Gipfel des Kat-Berges.
Dort war nur die Wohnung des Anqa-Vogels.
Ich ging zur Kaaba nach Mekka.
ER war nicht da.
Ich fragte nach IHM bei Avicenna.
ER war jenseits der Reichweite von Avicenna.
Ich sah in mein eigenes Herz,
Dort, an diesem Ort, da sah ich IHN.
ER war an keinem anderen Ort

Aus den Ghaselen, aus einer englischen Vorlage von Reinhard Kirste übersetzt
vgl.: Gesänge des tanzenden Gottesfreundes. Aus der Dichtung des persischen Mystikers Rumi.
Mit Ornamenten von Karl Thylmann. Übertragen und geschrieben von Linde Thylmann.
Herder-Bücherei: Texte zum Nachdenken Bd. 679. Freiburg u.a.: Herder 1978, S. 33

RABINDRANATH TAGORE (1861–1941)

Wo suchst du MICH denn, mein Diener?
Schau,
ICH bin neben dir.
ICH bin nicht im Tempel, nicht in der Moschee,
nicht in der Kaaba, auch nicht am Kailash.
ICH bin nicht in den Riten und feierlichen Bräuchen,
nicht im Yoga
und in der Entsagung.
Wenn du
ein wahrer Gottsucher
bist,
dann wirst du MICH
ganz plötzlich sehen;
Du sollst MIR in einem einzigen Augenblick begegnen.
Kabir sagt: „O Sadhu! Gott ist der Atem allen Atems“.

Rabindranath Tagore: Hundert Gedichte Kabirs. Freiburg/Br. O.J.: Hyperion o.J.,
zitiert in Monika und Udo Tworuschka (Hg.): Die Seele ist wie ein Wind. Weisheit der Religionen. Zürich/Düsseldorf: Benziger 1999, S. 26.

YUNUS EMRE (ca. 1271–1321)
DER EINE, EINZIGE GOTT

Lob des einen, einzigen Gottes
Mit Bergen und mit Steinen auch
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Vögeln früh im Morgenhauch
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Fischen in des Wassers Grund,
Gazellen in der Wüste rund,
Mit "Yahu!" aus der Toren Mund
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Jesus hoch im Himmelsland,
mit Moses an des Berges Rand,
mit diesem Stab in meiner Hand
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Hiob, der vor Schmerz versteint,
mit Jakob, dessen Auge weint,
und mit Muhammad, Deinem Freund,
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit Dank und Preis und Lobeswort,
mit "Gott ist Einer" höchstem Wort,
barhäuptig, barfuß, immerfort
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!
Mit lesend frommer Zungen Hallen,
mit Turteltauben, Nachtigallen,
mit denen, die Gott lieben, allen,
          Will ich Dich rufen, Herr, o Herr!

Yunus Emre (ca. 1271-1321), türkisch-mystischer Dichter, der zum ersten Mal seine Muttersprache für seine religiöse, volkstümliche Poesie verwendete.
Zitiert aus: Annemarie Schimmel
(Hg. und übersetzt aus dem Persischen, Urdu, Sindhi, Paschto und Pandschabi):
Nimm eine Rose und nenne sie Lieder.
Poesie der islamischen Völker. Köln. Diederichs 1987, S. 313

  
GOTTHOLD EPHRAIM LESSING (1729–1781): 

NATHAN DER WEISE


Die Begegnung der Religionen wird in der Aufklärung bewusst und auch kirchenkritisch thematisiert. Die auf Boccaccio zurückgehende Ringparabel, die Gotthold Ephraim Lessing in einen szenischen Kontext setzt, wird sehr schnell als Dokument der Toleranz gepriesen. Auch ihre Wirkungsgeschichte ist bis heute keineswegs abgeschlossen, ja es stellt sich ernsthaft die Frage, ob das Christentum in seiner Gänze wirklich hinter dieser Aussage steht:
                                      Es eifre jeder seiner unbestochnen
                                von Vorurteilen freien Liebe nach!
                                Es strebe von euch jeder um die Wette,
                                die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag
                                zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,
                                mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
                                mit innigster Ergebenheit in Gott
                                zu Hülf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
                                bei euern Kindes-Kindern äußern,
                                so lad ich über tausend tausend Jahre
                                sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
                                ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
                                als ich und sprechen, geht!
Nathan der Weise, 3. Aufzug, 7. Auftritt



FRIEDRICH DER GROSSE (1712–1786): RANDGLOSSEN

Friedrich II. d. Gr. von Preußen war für seine Randglossen berühmt. Am 23. Juli 1749 setzte er durch, dass das evangelisch geprägte Glogau, der katholischen Kirche die gleichen Rechte zukommen lassen musste:

„Die Religionen müssen alle tolerieret werden, und muss der Fiskal nur das Auge darauf haben, dass keine der anderen Abbruch tue, denn hier muss ein jeder nach seiner Fasson (= Konfession) selig werden.“ Im gleichen Jahr heißt es auf eine Anfrage des Stadtrates von Frankfurt/Oder, ob ein katholischer Kaufmann das Bürgerrecht erwerben dürfe: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie professieren (= bekennen), ehrliche Leute sind. Und wenn Türken (= Muslime) und Heiden (= Nichtchristen) kämen und wollten das Land peuplieren (= bevölkern), so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen. Ein jeder kann bei mir glauben, was er will, wenn er nur ehrlich ist.“

(z.T. zitiert nach H. Rössler: Größe und Tragik des christlichen Europas <1955> und wieder aufgenommen in: Christen im Dialog mit den Weltreligionen. Arbeitsblätter Sekundarstufe II. Stuttgart/Leipzig: Klett 1996, S. 13, M 2).



JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749–1832)
SICH ZWISCHEN DEN WELTEN WIEGEN


Wer sich selbst und andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Occident
Sind nicht mehr zu trennen:

Sinnig zwischen beiden Welten.
Sich zu wiegen, lass ich gelten;
Also zwischen Ost und Westen
Sich bewegen, sei's zum Besten.

West-östlicher Divan, Nachtrag, 1825/26


Dieses Baumes Blatt, der von Osten
meinem Garten anvertraut,
gibt geheimen Sinn zu kosten,
wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
dass man sie als eines kennt.

Solche Frage zu erweitern,
fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst Du nicht in meinen Liedern,
dass ich eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe,
aus dem West-östlichen Divan



  
FRIEDRICH SCHILLER (1759–1805): 
MEINE RELIGION

Mein Glaube:
"Welche Religion ich bekenne?
Keine von allen, die du mir nennst!"
Und warum keine?
"Aus Religion"
                                                                               Epigramm 1797

Die Vielfalt der Heiligen Schriften

MARTIN BUBER (1878–1975): DER BESONDERE WEG
Gott sagt nicht: »Das ist ein Weg zu mir, das aber nicht«, sondern er sagt: »Alles, was du tust, kann ein Weg zu mir sein, wenn du es nur so tust, dass es dich zu mir führt.« Was aber dies ist, das eben dieser Mensch und kein anderer tun kann und tun soll, kann ihm nur aus ihm nur aus ihm selber offenbar werden. Hier kann, wie gesagt, nur irreführen, wenn einer darauf schaut, wie weit es ein anderer gebracht hat, und es ihm  nachzutun trachtet; denn dabei entgeht ihm eben, wozu er und nur er allein berufen ist. Der Baalschem (Rabbi Israel ben Elieser, 1700-1760) sagt: »Jedermann soll sich seiner Stufe entsprechend verhalten. Geschieht dem aber nicht so: wer die Stufe seines Gefährten erfasst und seine eigne fahren lässt, diese und jene werden durch ihn nicht verwirklicht werden.«Auf welchem Weg ein Mensch zu Gott gelangt, kann somit nichts anderes ihm sagen als die Erkenntnis seines eigenen Wesens, die Erkenntnis seiner wesentlichen Eigenschaft und Neigung. »In jedermann ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist. Was aber in einem Menschen »kostbar« ist, kann er nur entdecken, wenn er sein stärkstes Gefühl, seinen zentralen Wunsch, das in ihm, was sein Innerstes bewegt, wahrhaft erfasst.“
Martin Buber: Der Weg des Menschen nach chassidischer Lehre.
 Heidelberg: Lambert Schneider 199411, S. 19f


AUSDRUCK DES WELT– UND ZEITVERSTÄNDNISSES
  
Diese chinesischen Schriftzeichen bedeuten:
Ein Gedanke 3000 [Welten]: Yi niën san qiën (japanisch: ichinen sanzen)
Jeder Augenblick und jedes Phänomen enthält das gesamte Universum in sich.
Alles ist miteinanderverbunden; alles ist in jedem enthalten.
Damit fallen Zeit und Ewigkeit zusammen,
aber auch der Raum ist „aufgehoben“.


Zusammenstellung: Reinhard Kirste
relpäd/Mystik/Gleichwertigkeit