Freitag, 6. Oktober 2017

Geduld

   

Rainer Maria Rilke

 Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären...

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit...
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.




Anmerkung:
Diese Zeilen stammen aus einem Brief von Rainer Maria Rilke "an einen jungen Dichter" (Franz Xaver Kappus), in dem sie eingestreut sind. Wer die hier vorliegende Fassung formuliert hat, ist unbekannt. Der Titel "Über die Geduld" stammt jedenfalls nicht von Rilke selbst! Zum Brief: www.rilke.de/briefe/230403.htm
Abgerufen: 06.10.2017 bei:
 http://www.dr-mueck.de/HM_Denkhilfen/Rainer-Maria-Rilke-Geduld.htm



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Ägidius von Assisi

Wenn der Baum geboren wird, ist er nicht sofort groß.Wenn er groß ist, blüht er nicht sofort.
             Wenn er blüht, bringt er nicht sofort Früchte hervor.
             Wenn er Früchte hervorbringt, sind sie nicht sofort reif.
             Wenn sie reif sind, werden sie nicht sofort gegessen.

Ägidius von Assisi († 1262)
war einer der Gefährten von Franz von Assisi. 

Dienstag, 3. Oktober 2017

Der Rhein - Völker verbindend

Der Rhein bei Rolandseck
Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt.
Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.


Dieser Text stammt aus Carl Zuckmayers berühmtem Drama "Des Teufels General".
Fischer TB, 2008, 36. Aufl.  S. 64f


Der Text im Zusammenhang: hier


Völkermühle Europas bei Wikipedia

Inhaltsübersicht zu "Des Teufels General": hier

Der Spielfilm (Deutschland 1955) mit Curd Jürgens: hier



Sonntag, 20. August 2017

Breisach, Stephansmünster - die Fresken meditieren

Das Paradies: Der Text als Orientierung für den Weg
in die himmlische Glückseligkeit
Die Fresken des spätgotischen Malers Martin Schongauer (1445/1450 - 1491)
im Breisacher Stephansmünster regen zu tieferer Betrachtung an: 

Das Weltgericht an der Westwand, die Nordwand mit der Höllen-Darstellung
und die Südwand mit der
 
 
Paradiesschilderung 
Martin Schongauer hat das geschriebene Wort als Grundlage seines Freskos an der Südwand gewählt. Die Darstellung ist von klarer Ordnung, Licht und Frühlingsstimmung dominieren die Szenerie. Eine große Schrifttafel rechts neben dem Fenster weist auf die himmlischen Freuden hin. Der Text stammt vermutlich aus dem elsässischen Humanistenkreis in Colmar oder Schlettstadt/Sélestat.

       Original                  Übersetzung
Semper erunt quod erant aetern(ae) gaudia vitae
gaudendi quoniam causa erit ipse deus, nec varios pariet
motus diversa voluntas,
unum erit cunctis lumen
et unus amor.

Inque bonis summis posita experientia felix,
Nec v(o)let augeri nec
metuet minui.

Ad patriam vitae de noctis valle vocati
virtutum gradibus
scandite lucis iter!


Gratior est fructus qu(e)m spes
producior edit,
ultro obiectorum (v)il (ius es)t pretium.
Delicias jam nunc promissi concipe regni,
virtute atque fide quod 
cupis esse tene!
Exsulta agnoscens te verbi
in carne renatum:

cujus si pars es,
pars tua Christus erit.
Qui, ne damnandi legeres mala 
gaudia mundi,
promissum ad regnum se tibi
fecit iter.
Immer werden sein, was sie waren, die Freuden des ewigen Lebens,
Weil Gott selbst der Grund der Freude sein wird,
Und kein uneiniger Wille wird unbeständige Gemütsbewegungen hervorbringen:
Ein einziges Licht wird allen sein und eine Liebe.

Und auf den höchsten Gütern gegründete glückliche Erfahrung
Wird weder vermehrt werden wollen, noch fürchten, verringert zu werden.
Ihr, die gerufen seid vom Tal der Finsternis
in die Heimat des Lebens,

Beschreitet auf den Stufen der Tugenden den Weg des Lichts!

Willkommener ist die Frucht, wenn hinausgezögerte Hoffnung sie gewährt,

Geringer ist der Wert von Dingen, die von allein dargeboten werden.
Empfange schon jetzt die Freuden des versprochenen Reiches,
Halte durch Tugend und Glauben das fest, von dem du wünschst, dass es sei.
Freue dich, wenn du erkennst, dass du wiedergeboren bist in der Fleischwerdung des Wortes!
Wenn du Teil von diesem bist, dann wird Christus dein Teil sein.
Dieser hat sich selbst, damit du nicht etwa die bösen Freuden der schändlichen Welt wählst, 
Zum Weg hin zum versprochenen Reich
für dich gemacht.
Auf dem Weg ins Paradies - ungläubiges Staunen

Unterhalb der Inschriftentafel beginnt der Zug der Seligen und führt auf einem steilen Weg durch eine gotische Pforte in den Himmel. Am Anfang des Zuges werden Landleute von einem auf die Tafel zeigenden Engel angeführt; weiter oben schreiten ein Bischof und eine Frau im Nonnenschleier, darüber sind ein Papst und ein Kardinal zu erkennen. 
Das Fenster in der Mitte des Gemäldes trennt die beiden Stände und wahrt damit die mittelalterliche Gesellschaftsordnung. 

Dankbares Ankommen
An der Paradiespforte mit Maßwerkgalerie, Dreipass und Fischblasen sitzen Engel. Die auf der linken Seite begrüßen die Ankommenden mit Lautenklängen, die auf der rechten mit den Noten des Engelsgesangs von Weihnachten „Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus“ (Text aus Wikipedia: Breisacher Stephansmünster).

Begrüßung an der Paradiespforte durch Engel
auf der linken und rechten Seite


CC





Samstag, 5. August 2017

Rainer-Maria Rilke: Herbst-Gedichte


                                   H e r b s t

Die Blätter fallen,  
fallen wie von weit, 
als welkten in den Himmeln
ferne Gärten; 

sie fallen mit verneinender Gebärde. 


Und in den Nächten
fällt die schwere Erde 

aus allen Sternen in die Einsamkeit. 


Wir alle fallen.
Diese Hand da fällt. 

Und sieh dir andre an:
es ist in allen. 

Und doch ist Einer,
welcher dieses Fallen 

unendlich sanft in seinen Händen hält. 


Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern wenn die Blätter treiben.


Ende des Herbstes

Ich sehe seit einer Zeit
wie alles sich verwandelt.
Etwas steht auf und handelt
und tötet und tut Leid.

Von Mal zu Mal sind all
die Gärten nicht dieselben;
von den gilbenden zu der gelben
langsamem Verfall:
wie war der Weg mir weit.

Jetzt bin ich bei den leeren
und schaue durch alle Alleen.
Fast bis zu den fernen Meeren
kann ich den ernsten schweren
verwehrenden Himmel sehn.

Aus: Das Buch der Bilder (1902/1906)

Mittwoch, 26. Juli 2017

Predigt-Materialien, Nacherzählungen, Gottesdienst-Entwürfe (aktualisiert)

Friedensreich Hundertwasser-BIBEL

Aufgrund jahrzehntelanger Gottesdienst-Tätigkeit in Gemeinde und Schule sind viele Predigten zu biblischen Texten,
Andachten und neue Liturgieformen entstanden.
Sie werden hier in einer
kleinen Auswahl vorgestellt,
dazu thematische Anregungen,
Gebete und Meditationen.




Thematisches
  • Schulgottesdienst als Fest und Besinnung
    Theologisch-homiletische Einführung
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay):
    Schulgottesdienste. 
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 7-15
  • Unterwegs zum Leben. Gottesdienste mit Schülern
    der Sekundarstufe I und II.

    Dienst am Wort Bd. 36. Göttingen: V & R  1979, 144 S., Abb.
  • Gottes Liebe ist noch nicht zu Ende
    Schulgottesdienst zu 1. Mose 6-8: Noah- die Arche die große Flut
    In: Horst Nitschke (Hg.): Gottesdienste mit Schülern.
    Für Schulanfänger - Zur Schulentlassung - Während der Schulzeit - Zum Reformationstag.
    Gütersloher verlagshaus 1979, S. 80-84
  • Abendmahl am Morgen - Frühstücksgottesdienst in der Schule
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 135-137
  • Der Abendmahlsteil in Schulgottesdiensten
    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Schulgottesdienste.
    Gütersloher Verlagshaus 1989, S. 105-109
  • Auf dem Weg zu wahrer ökumenischer Gastfeundschaft
    Mehr als eine Problemanzeige

    Gottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Abendmahl.Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 121-130
  • Passion - Kreuzweg zum Leben
  • Passion:
    Ich kenne einen, der riskierte alles
    Gottesdienstpraxis Serie B: Passion
    Hg.: Horst Nitschke. Gütersloher Verlagshaus 1983, S. 57-73
  • Taufe
    Ein neuer Name - ein neues Ich.
    Überlegungen zum Thema Taufe und eine Aktion mit YtongsteinenGottesdienst Praxis Serie B ----  (Hg.:  Erhard Domay): Taufe. , V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 29-32
  • Weitere Taufgottesdienste, siehe Bibelstellen
  • Trauung 1
    Persönliche Gedanken zur christlichen Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann:
    Trauung. Gottesdienstmodelle, Gebet, Voten, Predigten, Besinnungen, Anleitungen.
    Gütersloher Verlagshaus 1975, S. 147-149
  • Trauung 2
    Elemente der Trauung
    In: Horst Nitschke (Hg.) in Zusammenarbeit mit Heinz-Dieter Knigge:
    Trauung 2. Predigten, Gebete, Voten, Besinnungen, neue Formen
    Gütersloher Verlagshaus 1979, S. 94-98
  • Am Grabe
    Predigten, Gebete, Predigtanalysen. Hg. Horst Nitschke 
    in Zusammenarbeit mit Hans Werner Dannowski / Jürgen Kleemann.
    Gütersloher Verlagshaus  1975
    Predigt: Euer Herz erschrecke nicht (Johannes 14,1-6)
    ... (aaO S. 115 [S. 114-117])
Morgenimpulse



Predigttexte, liturgische Anregungen, Erzählendes


  • Jesaja 42, 1-9: Gott gibt Lebensatem
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Letzter Sonntag nach Epiphanias.. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 112-113

    den um Gerechtigkeit kämpfenden Hauptmann Moor in einen furchtbaren Gewissenskonflikt.


  • Jesaja 43, 1-7: Identität und Namensgebung
  • Jesaja 49, 1-6: Gescheiterte Hoffnung und dennoch Licht der Welt
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 4:
    10. Sonntag n. Trin bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 74f
    Der Gottesknecht - ein Licht für die Welt
    Jesus erzählt einigen Engeln im Himmel aus seiner irdischen Geschichte: "40 Tage hatte ich mich aus dem Leben meiner Stadt zurückgezogen, mit mir und der Wüste allein. Ich hatte seit meiner Kindheit den Eindruck, dass etwas Besonders auf mich wartete, aber was das war, wurde mir erst in diesen 40 Tagen und besonders in den 40 Nächten des Fastens klar. Die inneren Erlebnisse ...
     
  • Jesaja 55, 6-13: Der Mensch im Kreislauf der Natur
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 2:
    Sexagesimae bis Kantate. Gütersloher Verlagshaus 2001, S. 9
  • Jesaja 60, 1-2: Licht im Dunkel
  • Jesaja 62, 1-12: Jerusalem oder Hoffnung auf die neue Stadt
  • Jeremia 29,1.4-14: Was ist das Beste für eine Stadt?
  • Daniel 12,1-7:  Lehrer der Gerechtigkeit auf dem Weg zur Weisheit
    (Erinnerung an Paul Schwarzenau)
15. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1997, S. 95-96
  • Johannes 14,1-10 mit Bezug auf Kap. 16 und Joh 3,14
    Christliche Identität im Johannes-EvangeliumIn: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek Bd. 7.
    Nordhausen: Bautz 2006, S.115-1120.124-128
    Vorfassung: Johannes 14,1-7 im Blick auf die Gründung des Ökumenischen Rates 1948.
    In: GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), I. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis Israelsonntag. Gütersloher Verlagshaus 2003, S. 142-149
  • Johannes 14, 15-19: Abschied und Tröster
    Zuerst veröffentlicht in: Gottesdienst Praxis Serie A
    ----  (Hg.:  Erhard Domay), V. Perikopenreihe, Bd. 3:

    Rogate bis 3. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1995, S. 26-30
  • Johannes 16,7-8: Der islamische Paraklet
    - eine komplementäre Auslegung
    In: Reinhard Kirste: Die Bibel interreligiös gelesen. Interkulturelle Bibliothek, Bd. 7
    Nordhausen: Bautz 2006, S. 124-126
  • Johannes 20,1-18: Maria Magdalena - neu sehen lernen
  • Apostelgeschichte 1, 1-12 (Himmelfahrt)
  • Apostelgeschichte 2,1-18: Geistes-Gegenwart.
    Anregungen für einen pfingstlichen Schulgottesdienst in der Sekundarstufe I
  • Apostelgeschichte 2,37-47: Geistes-Gegenwart [heute]
  • Apostelgeschichte 8, 26-40: Ein Finanzminister aus Äthiopien
  • Römer 9-11: Juden und Christen
  • Römer 14, 10-13: Kritik - Unterscheidung - Entscheidung
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Rogate bis 11. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 104
  • 1. Korinther 1,18-25: Der Skandal - im Kreuz Christi liegt das Heil
  • 1. Korinther 2,12-16: Natürlicher und geistlicher Mensch
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), IV. Perikopenreihe, Bd. 3:
    Kantate bis 9. Sonntag n. Trin. Gütersloher Verlagshaus 2000, S. 55
  • 2. Korinther 4,3-6: Wenn Licht durchscheint
    Vorfassung: 
    GottesdienstPraxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), VI. Perikopenreihe, Bd. 1:
    1. Sonntag im Advent bis Invokavit. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 96-103
  • 2. Korinther 9,6-15: Freizügigkeit und Freiheit des Gebens
    Gottesdienst Praxis Serie A ----  (Hg.:  Erhard Domay), II. Perikopenreihe, Bd. 4:
    12. Sonntag n. Trin. bis Ewigkeitssonntag. Gütersloher Verlagshaus 1998, S. 55
                      Aufgrund des Konflikts,
         
     




Dienstag, 25. Juli 2017

Siddharta Gautama - der Buddha - Begegnungen

Dorothee Sölle: Erinnere dich an Gotama

Erinnere dich an gotama jüngling aus reichem hause

der so behütet wurde um nicht zu sagen vermummt
dass er mit achtzehn jahren auf einem spaziergang durch den park
unheilbar erschrak für sein leben
er sah dort vier figuren 
die man auch dir gern versteckt
die krankheit
den hunger
das alter
den tod 
einer von diesen war schon genug
die mauer des gartens einzureißen 
und den park zu verwüsten 
und die goldenen steine
mit denen sein kleid besetzt war

schwarz zu machen für immer.  

Da es nun vier waren und kein übersehen möglich 

auch keine handvoll reis half 
der alte hatte keine zähne 
auch kein wort trost 
der hungrige starb 
auch kein beutel gold 
der kranke konnte nicht gehen 
auch kein vergessen 
weil einer der vergissmeinnicht war der tod
da zog der aus dem schönen hause fort 
und ließ kleider zurück und geld und ehren und eine frau
die jung war und gerade ein kind bekommen hatte
der gotama aber ging fort 
weil er die vier gesehen hatte

Der nun von dem ich erzählen will

hat die vier auch getroffen als er durch sein land ging
in den höhlen nazareths sah er die krankheit
die rasselte dort mit der klapper
in der steinwüste traf er den hunger an
und die alten sah er vergeblich hocken bei jericho
den tod aber hat er getroffen als er am jordan stand
und sich taufen ließ von einem dem schlugen sie bald den kopf ab

Alle diese begegneten ihm

aber er wandte sich nicht ins gebirge der weisheit
sondern er lud sie zum essen ein
an seinem tisch saßen sie
alter und hunger und krankheit und tod
auch zogen sie mit ihm die staubigen wege
wo es keinen schatten gab auf stunden
auch begleiteten sie ihn des nachts,
denn ich nehme an, dass er nicht gut schlief
gemeinhin. 
Dorothee Sölle: Den Rhythmus des Lebens spüren. Inspirierter Alltag.
Hg.: Bettina Hertel / Birte Petersen. Freiburg/Br. u.a.: Herder 2001, S. 211
Eine Störung, aaO  S. 14


Dorothee Sölle: Eine Störung
Während ich langsam lese

was auf dem achtteiligen pfad des buddha
die bare aufmerksamkeit ...
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Bertold Brecht:
Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus
Gothama, der Buddha, lehrte
Die Lehre vom Rade der Gier, auf das wir geflochten sind, und empfahl,
Alle Begierde abzutun und so
Wunschlos einzugehen ins Nichts, das er Nirwana nannte.
Da fragten ihn eines Tags seine Schüler:
«Wie ist dies Nichts, Meister? Wir alle möchten
Abtun alle Begierde, wie du empfiehlst, aber sage uns,
Ob dies Nichts, in das wir dann eingehen,
Etwa so ist wie dies Einssein mit allem Geschaffenen,
Wenn man im Wasser liegt, leichten Körpers, am Mittag
Ohne Gedanken fast, faul im Wasser liegt oder in Schlaf fällt,
Kaum noch wissend, dass man die Decke zurecht schiebt,
Schnell versinkend, ob dies Nichts also
So ein fröhliches ist, ein gutes Nichts, oder ob dies dein
Nichts nur einfach ein Nichts ist, kalt, leer und bedeutungslos.»
Lang schwieg der Buddha, dann sagte er lässig:
«Keine Antwort ist auf eure Frage.»
Aber am Abend, als sie gegangen waren,
Saß der Buddha noch unter dem Brotbaum und sagte den andern,
Denen, die nicht gefragt hatten, folgendes Gleichnis:
«Neulich sah ich ein Haus. Es brannte. Am Dache
Leckte die Flamme. Ich ging hinzu und bemerkte,
Dass noch Menschen drin waren. Ich trat in die Tür und rief
Ihnen zu, dass Feuer im Dach sei, sie also auffordernd,
Schnell hinauszugehen. Aber die Leute
Schienen nicht eilig. Einer fragte mich,
Während ihm schon die Hitze die Braue versengte,
Wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne,
Ob nicht doch Wind ginge, ob da ein anderes Haus sei,
Und so noch einiges. Ohne zu antworten,
Ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich,
Müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich, Freunde,
Wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber
Mit jedem andern vertausche, als dass er da bliebe, dem
Habe ich nichts zu sagen.»
So Gothama, der Buddha.
Aber auch wir, nicht mehr beschäftigt mit der Kunst des Duldens,
Eher beschäftigt mit der Kunst des Nichtduldens und vielerlei Vorschläge
Irdischer Art vorbringend und die Menschen beschwörend,
Ihre menschlichen Peiniger abzuschütteln, meinen, dass wir denen, die
Angesichts der heraufkommenden Bombenflugzeuggeschwader des Kapitals noch allzu lang fragen,
Wie wir uns dies dächten, wie wir uns das vorstellten
Und was aus ihren Sparbüchsen und Sonntagshosen werden soll nach einer Umwälzung,
Nicht viel zu sagen haben.
Bertolt Brecht: Hundert Gedichte 1918-1950. Berlin 1962, S.116 f.
[aus den Kalendergeschichten, rororo TB 10077, Rowohlt 1988]


CC

Montag, 15. Mai 2017

Aphorismen V: Neue Herausforderungen für den interreligiösen Dialog

Zitate aus:
Reinhard Kirste / Paul Schwarzenau / Udo Tworuschka (Hg.):
Neue Herausforderungen für den interreligiösen Dialog.
Religionen im Gespräch, Bd. 7 (RIG 7).
Balve: Zimmermann 2002

Viele Menschen - ein Gott
Viele Credos - ein Himmel (S. 30)

Im Schweigen
spüre ich
den Anhauch Gottes (S. 81)

Christus
hat viele Namen
Er gehört
nicht nur den Christen
Er ist Symbol göttlicher Zuwendung  (S. 91)




Eines hat Gott geredet 
ein Zweifaches habe ich gehört
(nach Psalm 62,12 / S. 115)  


Ich ging als Christ fort
Ich fand mich selbst 
als Hindu
und ich kehre zurück
als Buddhist
ohne aufgehört zu haben
ein Christ zu sein
Raimon Panikkar, S. 220)






In der Tiefe des Gebets
finden Religionen
Grund genug (S. 237)

Mit den Augen des Anderen
wenigstens
zu sehen versuchen ----
welche Veränderung ! (S. 284)

Wo das Geheimnis 
durch-leuchtet
                      findet der Mensch
                      Verstehen (S. 332)

Wo göttliche Logik
sich in menschliche Grammatik
kleidet
gibt es
die Fülle der Sprachen (S. 345)

Wenn Gottes Wege
viele Möglichkeiten öffnen
Wie groß 
muss dann
die Wahrheit sein ! (S. 379)


Sym-Pathie / Com-Passion
Solidarisch handeln
gibt den Ausgegrenzten
neue Kraft (S. 386)


Farbenpracht
gehört zu Gottes Garten
--- die Mutationen
hören gar nicht auf (S. 422)

CC