Montag, 2. Januar 2017

Denis Diderot (1713-1784): Für Humanität und gegen Barbarei

Religion und Fanatismus
Von der Philosophie zur Gottlosigkeit ist es eben so weit wie von der Religion zum Fanatismus, aber vom Fanatismus zur Barbarei ist es nur ein Schritt.
         (Dédicace de l'essai sur le mérite et la vertu1745)                                            


Menschlichkeit - Humanité
"Das ist ein Gefühl des Wohlwollens für alle Menschen, das nur in einer großen empfindsamen Seele aufflammt.
Diese edle und erhabene Begeisterung kümmert sich um die Leiden der anderen und um das Bedürfnis, sie zu lindern; sie möchte die ganze Welt durcheilen, um die Sklaverei, den Aberglauben, das Laster und das Unglück abzuschaffen. Sie verbirgt vor uns die Schwächen der Mitmenschen oder verhindert dadurch, diese Schwächen zu fühlen, macht uns aber unerbittlich gegenüber Verbrechen.
Sie entreißt dem Bösewicht die Waffe, die dem guten Menschen zum Unheil werden könnte. Sie verführt uns nicht, uns von besonderen Pflichten zu befreien, sondern macht uns - im Gegenteil - zu besseren Freunden, besseren Eheleuten, besseren Staatsbürgern. Es macht ihr Freude, die Wohltätigkeit auf alle Wesen auszudehnen, die die Natur neben uns gestellt hat.
Ich habe diese Tugend, eine Quelle so vieler anderer Tugenden, zwar in vielen Köpfen bemerkt,
aber nur in wenigen Herzen." 
                                       
(Encyclopédie: Artikel  Humanité, 8. Band, 1766)