Dienstag, 31. Januar 2017

Aphorismen III

Von der Philosophie zur Gottlosigkeit
ist es eben so weit wie von der Religion zum Fanatismus,
aber vom Fanatismus zur Barbarei ist es nur ein Schritt.

                                                         (aus: D. Diderot: Dédicace de l'essai sur le mérite et la vertu, 1745)


Der Geist muss Tat werden,
und er muss Tat werden überall,
wo Friedlosigkeit herrscht.
Albert Schweitzer, in: Monika und Udo Tworuschka (Hg.): Die Seele ist wie ein Wind. Weisheit der Religionen.
Zürich/Düsseldorf: Benziger 1999, S. 82

Wenn ich einen grünen Zweig im Herzen trage,
wird sich auch ein Singvogel darauf niederlassen.
                                                (aus China)
Iris und Jochen Grün: DO, der Weg. Die Weisheit Asiens. München. Atmosphären 2005, S. 205



Jede Kraft hat eine Gegenkraft.
Gewalt, selbst wohlgemeinte,
fällt immer auf einen selbst zurück (Laozi = Laotse).

                                                                                   DO, der Weg, aaO S. 139    


Zwischen Denken und Handel soll kein Hauch sein.
Takuan Soho Zenji (1573-1645) 
                                                                                                                DO, der Weg, aaO S. 163 

Nur in einem ruhigen Teich
spiegelt sich das Licht der Sterne.
Aus China (DO, der Weg,  aaO S. 164)


Wer nach Osten ausschaut, der sieht die Wand im Westen nicht.
Wer nach Süden blickt, der sieht den Norden nicht.
Seine Gedanken verlaufen allein in einer bestimmten Richtung.
Lüshi chunqiu (= Frühling und Herbst des Herrn Lü),eine Wissenssammlung aus dem 3. Jh. v. Chr. in China,
aus DO, der Weg, aaO S. 52

Wer das Ziel kennt, kann entscheiden.
Wer entscheidet findet Ruhe.
Wer Ruhe findet, ist sicher.
Wer sicher ist, kann überlegen.
Wer überlegt, kann verbessern.
Chinesische Weisheit, aus DO, der Weg, aaO 21     

Das Licht in mir ist beständig und klar. Es gibt keine Rettung für irgendeinen von uns außer durch Wahrheit und Gewaltlosigkeit. ich weiß, dass der Krieg schlecht ist, ein Ur-Böses. ich weiß auch, dass er verschwinden muss. ich glaube bestimmt, dass Freiheit, die durch Blutvergießen oder Betrug erlangt wird, keine Freiheit ist.

Mahatma Gandhi, Young India, 13.09.1928,
abgedruckt in: Maria Otto (Hg.): 
Mahatma Gandhi - Worte des Friedens. 
Freiburg u.a.: Herder 1992, 9. Aufl., S. 108)  


Menschliche Revolution heißt, unser Leben im Innersten zu verwandeln. Das bedeutet alles zu erkennen und herauszufordern, was uns daran hindert, unsere Möglichkeiten voll auszuschöpfen ... Mit dem Auge unserer erleuchteten Weisheit können wir die Wirklichkeit anders sehen und dementsprechend anders handeln.
Daisaku Ikeda, in: SGI-D (Hg.):
Der Schlüssel zum Glück. Frankfurt/M. 2009, S. 58.59

Konfuzius sprach: "Die Lieder erheben den Menschen.
Die Riten geben ihm Halt
Die Musik macht ihn vollkommen".
                                                                Konfuzius: Gespräche (Lun Yu).                                                                                Aus dem Chinesischen übersetzt und herausgegeben von Ralf Moritz. 
                                                                                  Leipzig: Reclam TB 888, S. 75 
Konfuzius sprach:
"Etwas lernen und sich immer wieder darin üben - schafft das nicht auch Befriedigung?
Und wenn von fernher Gleichgesinnte kommen
- ist das nicht auch ein Grund zur Freude?

Von den Menschen verkannt zu werden, ohne dabei Verbitterung zu spüren -
ist das nicht auch eine Eigenschaft des Edlen?"
                                                                                                                Konfuzius: Gespräche (Lun Yu).                                                                             Aus dem Chinesischen übersetzt/herausgegeben von Ralf Moritz.                                                                                                               Leipzig: Reclam TB 888, S. 43 

Kein Feuer brennt wie Lustbegier, 
Kein Sündenübel gleicht dem Hass,
Kein Leiden gleicht dem Lebenswahn,
kein größres Glück als höchste Ruh'.
                        Dhammapadam. Der Wahrheitpfad. Ein buddhistisches Denkmal.
                                                                                     Aus dem Pali von Karl Eugen Neumann. SP 317. 
                                                                                     München/ Zürich: Piper 1984, 4. Aufl., S. 66 (Nr. 202)


Montag, 2. Januar 2017

Denis Diderot (1713-1784): Für Humanität und gegen Barbarei

Religion und Fanatismus
Von der Philosophie zur Gottlosigkeit ist es eben so weit wie von der Religion zum Fanatismus, aber vom Fanatismus zur Barbarei ist es nur ein Schritt.
         (Dédicace de l'essai sur le mérite et la vertu1745)                                            


Menschlichkeit - Humanité
"Das ist ein Gefühl des Wohlwollens für alle Menschen, das nur in einer großen empfindsamen Seele aufflammt.
Diese edle und erhabene Begeisterung kümmert sich um die Leiden der anderen und um das Bedürfnis, sie zu lindern; sie möchte die ganze Welt durcheilen, um die Sklaverei, den Aberglauben, das Laster und das Unglück abzuschaffen. Sie verbirgt vor uns die Schwächen der Mitmenschen oder verhindert dadurch, diese Schwächen zu fühlen, macht uns aber unerbittlich gegenüber Verbrechen.
Sie entreißt dem Bösewicht die Waffe, die dem guten Menschen zum Unheil werden könnte. Sie verführt uns nicht, uns von besonderen Pflichten zu befreien, sondern macht uns - im Gegenteil - zu besseren Freunden, besseren Eheleuten, besseren Staatsbürgern. Es macht ihr Freude, die Wohltätigkeit auf alle Wesen auszudehnen, die die Natur neben uns gestellt hat.
Ich habe diese Tugend, eine Quelle so vieler anderer Tugenden, zwar in vielen Köpfen bemerkt,
aber nur in wenigen Herzen." 
                                       
(Encyclopédie: Artikel  Humanité, 8. Band, 1766)